Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. Psalm 103,13

Da ist die Rede vom Fürchten und weiter, dass Erbarmen
gegeben wird, weil man sich fürchtet. Kinder, die ihre Eltern
fürchten, passen sich an, betragen sich gut, haben Antennen
für die Stimmungen der Eltern und nehmen sich noch mehr
zusammen. Bisweilen machen sie sich auch unsichtbar und
versuchen nicht aufzufallen. Ihr Selbstwertgefühl ist gering,
und sie fühlen sich innerlich unsicher und sind anfällig, ausgelacht,
gemobbt zu werden. Das sind die Folgen der sogenannten
Schwarzen Pädagogik, die gutes Verhalten durch
Furcht und Strafe zu erreichen sucht. – Sollen wir die heutige
Losung ebenso verstehen?
Auf einem Haus in unserem Dorf steht, dass die Furcht
Gottes der Beginn der Weisheit sei. Da kann ich zustimmen,
hingegen stosse ich mich an der heutigen Losung. Gott
erbarmt sich unser, wenn wir ihn fürchten! Vielmehr spricht
mich der Lehrtext von heute an: «Weil ihr nun Kinder seid,
hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen,
der da ruft: Abba, lieber Vater!» (Galater 4,6) – Ein Kind
muss sich geliebt fühlen, um Liebe empfinden und schenken
zu können. Geliebt von allem Anfang an, kann das Kind
und der spätere Erwachsene Erbarmen entgegennehmen
als Geschenk, kann Erbarmen weitergeben an solche, die
es benötigen. Ganz besonders an jene, die in Furcht und
Angst aufwachsen mussten, oder an jene, die in Gottesfurcht
erstarrt sind. Welchen Sinn geben Sie diesem Psalmvers?

Von: Kathrin Asper