Schlagwort: Kathrin Asper

2. März

Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.
Lukas 11,28

Und was steht vorher? Jesus berichtet von einem bösen Geist, der aus seinem Haus auszog. Da er aber keine geeignete Bleibe fand, beschloss er, zurückzugehen, und nahm gleich noch sieben andere böse Geister mit. Sie kommen zum Haus, das nun geschmückt und gesäubert ist. Die Geister gehen hinein und es wird alles schlimmer als je zuvor. Da war man also nicht wachsam und jubelte, den Unruhestifter losgeworden zu sein. So geht es nicht, wir müssen immer wachsam sein und, wenn unsere inneren negativen Stimmen wieder laut werden, in Distanz zu ihnen gehen, ihnen antworten und die Türe weisen.
Nach dieser Stelle ruft eine Frau und preist die Mutter Jesu, die ihn geboren und genährt hat, und nennt sie selig. Und was sagt Jesus darauf? Nicht dass er etwa auf seine Mutter stolz ist, noch zeigt er Freude. Er wirkt distanziert und sagt: «Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.» Das tönt wie bei der Hochzeit in Kana, als er seiner Mutter entgegenwirft: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?» (Joh. 2,4). Sie aber steht zu ihrem Sohn.
Aber vielleicht ist es ja anders: Erinnern wir uns an das Magnificat, da wird doch vollumfänglich deutlich, wie sehr Maria das Wort Gottes in sich aufnimmt und in ihrem Herzen bewahrt hat (Lukas 1,46–58). Es ist nicht auszuschliessen, dass der Sohn mit diesen kühl wirkenden Worten auf die Glaubenskraft seiner Mutter hinweisen will. In dubio pro reo.

Von Kathrin Asper

3. Januar

Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.     Epheser 1,1

Augen des Herzens. «Man sieht nur mit dem Herzen gut», schreibt Antoine de Saint-Exupéry im «Kleinen Prinzen». Wir kennen den Ausdruck, dass das Herz einem aufgehe. Gottfried Keller dichtete: «Trinkt, oh Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt.» Nur wessen Herz beteiligt ist, kann so etwas sagen.

Nun aber: Wo liegt die Hoffnung? Im Jenseits oder geht es auch um die Hoffnung im Diesseits? Für mich ist es so, dass wir beides brauchen, Hoffnung im Diesseits und auf das Jenseits. Es lebt sich einfach besser damit.

Hoffen ist verwandt mit «hüpfen». Als siebenjähriges Kind hüpfte ich im Garten zum Tor und war einfach glücklich. Man kann auch zu lange hoffen und aus einer vertrackten Situation nicht herauskommen. Da täte allemal ein Entschluss not, um eine befreiende Tat zu beginnen.

Schlimm ist die Hoffnungslosigkeit. Da gibt es keine Zukunft, keine Perspektive, und nur Geduld führt aus der Depression. Von ihr weiss man, dass sie einmal aufhört, aber nicht wann. Wenn sich dann endlich die bleierne Decke hebt, fällt zögerlich Licht ein, die Hoffnung nimmt zu, und es wird möglich, wieder an den «Gott der Hoffnung», wie   Luther formulierte, zu glauben.

Von Kathrin Asper

2. Januar 2022

Leben wir, so leben wir dem Herrn;
sterben wir,  so sterben wir dem Herrn.
Darum: wir leben  oder sterben,
so sind wir des Herrn.         Römer 14,8

Diesen Text kennen viele auswendig. Oft wird er an Beerdigungen gesprochen.

Was sagt der Text? Keiner lebt für sich allein, und niemand stirbt sich selber. Wir sind also aufgehoben, gehören zu einer allgegenwärtigen, ewigen Kraft, sind nicht verloren und können nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Das ist tröstlich und wer so empfindet, dem ist das eine Lebenshilfe, es schenkt ihm Vertrauen und Trost.

Was aber, wenn jemand nicht so empfindet? Derer sind viele. Sie fühlen sich verloren und trostlos oder aber überspielen das Nicht-Verankertsein durch lautes Getöse, Aktivismus, Egozentriertheit und Wichtigtuerei.

Dietrich Bonhoeffer schrieb: «Die Befreiung liegt im Leiden darin, dass man die Sache ganz aus den eigenen Händen und in die Hände Gottes legen darf.»
Wie kommt man dazu? Wenn man das Gefühl des Aufgehobenseins nicht hatte, so ist es Gnade und Geschenk, so fühlen zu dürfen. Aber am allerwichtigsten ist es, geschätzt, geliebt zu werden und das Gefühl zu haben, willkommen zu sein. Das Kind braucht Andere, wir brauchen das Du, um das Gefühl zu haben, wertgeschätzt zu werden. Auf diesem Boden wächst das Vertrauen in ein metaphysisches Gehaltensein.

Von Kathrin Asper