Schlagwort: Kathrin Asper

13. August

Auf alle Gottesverheissungen ist in Jesus Christus das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. 2. Korinther 1,20

Amen sagen wir auch, wenn wir «Ja und Amen» sagen zu
einem nicht gerade guten Angebot. «So sei es», meinen wir
mit Amen und genauer: Das Gehörte hat für mich Gültigkeit.
Die Worte Gottes bekräftigen wir mit Amen und seine
Worte verankern sich in uns und sind gültig.
Mit Jesus Christus kommt das Ja in die Welt, das Bekenntnis
zum Leben, zur Lebendigkeit, zu Gott als liebendem Vater.
Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, macht sich der Frühling
bemerkbar, Knospen spriessen, die ersten Blumen erscheinen,
die Lärchen färben sich in ein zartes Grün.
Das Ja zum Leben meldet sich zurück. «Frühling lässt sein
blaues Band wieder flattern durch die Lüfte», wie Josef von
Eichendorff dichtete.
Und so lautet der griechischorthodoxe
Ostergruss:
«Christos anésti – alithos anésti!»: Christus ist auferstanden
– er ist wahrhaftig auferstanden!
Das gilt auch für den Frühling mit den spriessenden Knospen,
den Veilchen und dem zarten Grün in den Bäumen: Das
ist für mich auch Auferstehung.
Das neue Leben im Frühling spiegelt für mich das Ja in und
mit Jesus Christus im weitesten Sinne.

Von: Kathrin Asper

12. August

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. Psalm 103,13

Da ist die Rede vom Fürchten und weiter, dass Erbarmen
gegeben wird, weil man sich fürchtet. Kinder, die ihre Eltern
fürchten, passen sich an, betragen sich gut, haben Antennen
für die Stimmungen der Eltern und nehmen sich noch mehr
zusammen. Bisweilen machen sie sich auch unsichtbar und
versuchen nicht aufzufallen. Ihr Selbstwertgefühl ist gering,
und sie fühlen sich innerlich unsicher und sind anfällig, ausgelacht,
gemobbt zu werden. Das sind die Folgen der sogenannten
Schwarzen Pädagogik, die gutes Verhalten durch
Furcht und Strafe zu erreichen sucht. – Sollen wir die heutige
Losung ebenso verstehen?
Auf einem Haus in unserem Dorf steht, dass die Furcht
Gottes der Beginn der Weisheit sei. Da kann ich zustimmen,
hingegen stosse ich mich an der heutigen Losung. Gott
erbarmt sich unser, wenn wir ihn fürchten! Vielmehr spricht
mich der Lehrtext von heute an: «Weil ihr nun Kinder seid,
hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen,
der da ruft: Abba, lieber Vater!» (Galater 4,6) – Ein Kind
muss sich geliebt fühlen, um Liebe empfinden und schenken
zu können. Geliebt von allem Anfang an, kann das Kind
und der spätere Erwachsene Erbarmen entgegennehmen
als Geschenk, kann Erbarmen weitergeben an solche, die
es benötigen. Ganz besonders an jene, die in Furcht und
Angst aufwachsen mussten, oder an jene, die in Gottesfurcht
erstarrt sind. Welchen Sinn geben Sie diesem Psalmvers?

Von: Kathrin Asper

13. Juni

Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Hebräer 12,1–2

«Lasst uns laufen mit Geduld …», wie lieb sind mir diese
Worte. Als kleines Mädchen entzifferte ich auf einem Holzbrunnen
in den Bergen die Worte: «Versiege nicht, halte
durch.» Auch diese Worte haben sich mir eingeprägt.
Und in der heutigen Losung lernen wir, es braucht Geduld
im Leben und es braucht nochmals Geduld, um im Glauben
und Vertrauen zu bleiben, es braucht die Gabe des Durchhaltens,
so wie es uns Jesus vorgelebt hat. Immer blieb er auch
in höchster Pein und grausamster Verachtung ausgerichtet
auf Gott.
Im Hebräertext heisst es auch, dass wir in unserem Lauf
umgeben sind von einer «Wolke von Zeugen», also Menschen,
die den Weg des Vertrauens und Glaubens gegangen
sind. Unzählige sind es, ich nenne nur einen, den Erzvater
Jakob. Alle diese Zeugen hatten aber auch dunkle Seiten,
so Jakob, der seinen Vater betrog und seinen Bruder Esau
um sein Erbe brachte. Wir können uns auch umgeben mit
Zeugen aus unserer eigenen Biografie: Vorbilder, Verwandte,
Freunde, Lehrer. Sie helfen uns, auf dem Weg zu bleiben,
immer wieder Mut zu schöpfen und unsere eigenen Fehler,
Verstrickungen abzulegen, damit sie uns nicht hindern im
Kampf, der uns bestimmt ist.

Von: Kathrin Asper

12. Juni

Gott hat die Macht, euch jede Gabe im Überfluss zu schenken. So habt ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles, was ihr zum Leben braucht. Und ihr habt
immer noch mehr als genug, anderen reichlich Gutes zu tun. 2. Korinther 9,8

Käthe Kollwitz schrieb: «Eine Gabe ist eine Aufgabe.»
Damit meinte sie Talent. Darauf werde ich meine Gedanken
in diesem Beitrag lenken und damit andere Arten von Gaben
wie etwa Nahrung, Geld, Land, Heimat auslassen.
Wer ein Talent hat, soll es leben, fördern und zum Blühen
bringen, es verdoppeln und mehren, so haben wir es bereits
im Gleichnis von den Talenten gelernt.
Sicher ist auch, dass man damit hat, was man zum Leben
braucht: Erfüllung, Sinn und Lebendigkeit.
Ob dabei auch Kraft, Zeit und Hingabe übrigbleiben, um
anderen Gutes zu tun? Da bin ich mir allerdings nicht so
sicher. Oft entblutet die Hingabe an ein Talent andere
Lebensbereiche: Kinder kommen zu kurz, Ehepartner erfahren
nicht genug Aufmerksamkeit, weitere soziale Verpflichtungen
werden kaum wahrgenommen. Das ist oft – nicht
immer – die traurige Wahrheit.
Allerdings bringt die Hingabe an ein Talent Menschen im
weiteren Lebenskreis und über die Zeitläufe hinweg Freude
und Gewinn. Man denke nur an die Gedichte Droste-Hülshoffs,
die Bilder van Goghs und die Musik Mozarts!

Von: Kathrin Asper

13. April

Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16

In der Zürcher Bibel heisst es: «In deiner Hand steht mein Geschick» und im hebräischen Urtext heisst es einfach:
«Meine Zeit in deiner Hand.»
Rainer Maria Rilke hat poetische Worte gefunden und das Fallen in Gottes Hand zum Thema gemacht:
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rilke verweist auf den Tod, genauso wie es die Losung auch tut.
Doch gemeint ist mehr: Meine Zeit, mein Geschick sind in Gottes Hand, durch unser ganzes Leben sind wir gehalten, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Nicht nur erfolgreiches Leben ist gehalten, auch unser Scheitern ist es. Gott ist nicht allein die Bedingung zu gelingendem Leben, auch Missgeschick, Krankheit und Unglück sind in Gottes Hand. «… die gelebte Beziehung zu Gott macht die Kostbarkeit des Lebens aus». So formuliert es Gunda Schneider-Flume in ihrem lesenswerten Buch «Leben ist kostbar. Wider die Tyrannei des gelingenden Lebens».
Leben ist ein Geschenk, das an keine Bedingungen geknüpft ist. Das befreit uns zu einem aktiven Leben und zur Dankbarkeit.

Von: Kathrin Asper

12. April

Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch! Johannes 20,26

Die heutige Losung ist der Geschichte über den ungläubigen Thomas entnommen. Er war an Ostern nicht dabei, und erst acht Tage später erzählten ihm die anderen Jünger von der Auferstehung. Er will das nicht glauben und begehrt, die Wundmale zu sehen. Da kommt Jesus durch die verschlossenen Türen, man kann auch sagen durch die verschlossene Tür von Thomas’ Unglauben, der Beweise, Fakten braucht.
Wir lernen, dass Jesus auch die Zweifler annimmt; er sagt zu ihm: «Du glaubst, weil du mich gesehen hast.» Selig indes sind die, «die nicht mehr sehen und glauben».
Mit dem Glauben ist es so eine Sache: Menschen wollen Beweise, und wenn es keine gibt, verwerfen sie Gott.
Wir müssen uns jedoch immer daran erinnern, dass Glaube Gnade ist, Glaube ist ein Geschenk, das uns frei und ohne Bedingung gegeben wird. Wir können auch sagen: uns geschieht.
Daneben können wir jedoch christliche Werte leben, uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, Barmherzigkeit und Zuwendung üben, nicht lügen, nicht nachtragend sein …
Das können wir aufgrund von Einsicht, Willen und Disziplin anstreben und ausüben. Das ist die aktive Seite christlichen Lebens. Glaube geschieht, er kommt ohne Bedingung von dem Gott, der uns sucht.

Von: Kathrin Asper

13. Februar

Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so lebt nun auch in ihm: verwurzelt in ihm und aufgebaut auf diesem Fundament, gefestigt im Glauben, so wie ihr unterrichtet worden seid. Kolosser 2,6–7

Aus dem Glauben leben, verwurzelt, gefestigt und aufgebaut in und auf ihm. So sollte es sein, ist es aber nicht immer.
Wohl sind wir unterrichtet worden, auch wurden uns christliche Werte vorgelebt. Doch wir stehen weder auf diesem Fundament, noch sind wir verwurzelt in ihm.
Uns gebricht es an der Glaubensgewissheit. Und – ehrlich gesagt –, bin ich manchmal ganz froh, dass ich sie nicht habe. Denn möchte ich ein allzeit fröhlicher Christenmensch im evangelikalen Sinne sein? Nein, wirklich, das möchte ich nicht.
So habe ich meine Zweifel, meine Ungewissheit, meine Gottferne und muss mit ihnen leben, bis wieder Zuversicht und Vertrauen in mein Herz fliessen und ich mich aufgehoben und gegründet fühlen darf.
Es ist indes alleweil gut zu wissen, wie es sein sollte und wie Paulus es meinte. Allerdings ist es auch wieder gut, sich bewusst zu sein, dass wir das nicht immer können, es uns nicht immer gegeben ist. Die Mitte zwischen Glaubensgewissheit und Glaubensungewissheit zu finden und zu halten, ist unsere menschliche Realität und Aufgabe. Das genügt. – Was meinen Sie?

Von: Kathrin Asper

12. Februar

Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und
deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir,
denn ich erlöse dich!
Jesaja 44,22

Ich schaue oft zum Himmel, folge den Wolken und sehe darin Tiere, Gesichter und manch anderes mehr. Das Spiel fasziniert mich, und ich werde nicht müde, immer wieder Neues zu sehen. Und morgens, wenn ein sanfter Nebel über den Hügeln liegt, schaue ich hinaus und werweisse, ob die Sonne durchbricht und wann.
Hinter dem Nebel, dem Blau des Firmaments und über den Wolken orten wir bisweilen die zentrale Kraft unseres Universums, oben weit darüber stellen wir uns Gott vor und er tilgt «Missetat» und «Sünden» wie «Wolken» und «Nebel». Wischt sie aus und reinigt unsere Seele.
Allerdings, glauben tue ich das nicht. Schuld bleibt Schuld. Doch das Beste, was einem passieren kann, ist, sich trotz allem geborgen zu fühlen in der Hand Gottes. Wir sind angenommen mit all unseren Verfehlungen. Wer so fühlen darf, ist reich beschenkt.
Unsere Missetaten und Sünden gehören zu uns, sie anzunehmen ist schwierig. Gelingt es uns, sie zu ertragen und sich gar mit ihnen auszusöhnen, ist es nicht mehr weit zu Gottes Gnade und der Geborgenheit «im Schatten seiner Flügel».

Von: Kathrin Asper

13. Dezember

Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem.
Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die
Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann
geschmückt hat. Und ich hörte eine laute Stimme
vom Thron her rufen: Sieh her: Gottes Wohnung ist
bei den Menschen! Offenbarung 21,2–3

Die Himmel sind zerrissen und offen. Gott ist wieder bei den
Menschen. Ich denke, eine andere Art der Auferstehung ist
es, wenn Gott in dieser Welt spürbar ist, er unter uns ist.
So schrieb mir ein Leser der Bolderntexte kürzlich folgende
Worte: «Auferstehung ist demnach die Kraft des Himmlischen
im Irdischen. Sie kann als einzige Kraft, Gewalt, Gier,
Zerstörung, Selbstbetrug und Verzweiflung überwinden
und wandeln.» Und er fügte ein Gedicht von Marie Luise
Kaschnitz bei. Es schildert in modernen Worten, wie Gott
im Alltag unter uns Menschen ist.
Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
(…)
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Wie erleben Sie Gottes Wohnung unter den Menschen?

Von: Kathrin Asper

12. Dezember

Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!
Jesaja 63,19

Gott hält sich fern, der Tempel ist zerstört, die Juden müssen
in fremdem Land fremden Herren dienen. In diesem Volksklagegebet
ist Gott abwesend, er hält sich bedeckt.
Im Dreissigjährigen Krieg dichtete Friedrich Spee in Anlehnung
an diese Jesajatexte das Adventslied: «O Heiland, reiss
die Himmel auf, reiss ab vom Himmel Tor und Tür …». Im
Negro Spiritual heisst es: «Swing low, sweet chariot, coming
for to carry me home.» Auch für die Schwarzen in Amerika,
fern ihrer Wurzeln und ihrer Heimat, war der Himmel zu,
verriegelt und Gott abwesend, und sie bitten, endlich in die
himmlische Heimat zu gelangen, endlich ein besseres Leben
zu haben. Und heute, wo so viele Kriege herrschen und nicht
enden wollen, ist es der Schrei der Betroffenen und die Hoffnung
derer, die hilflos zuschauen müssen, dass die Himmel
sich öffneten und Gott wieder unter ihnen weilte.
Doch nicht nur kollektiv gilt die heutige Losung, auch in
der privaten Vereinzelung fühlen sich Menschen von Gott
getrennt, erfahren ihn als einen Gott, der fernab ist und sich
nicht um die Not und das Elend eines einzelnen Menschen
kümmert. Da ist es schon viel, dass er mit obigem Vers sprechen
kann und hofft, die Himmel öffneten sich und es werde
wieder Licht. Für viele Heutige ist die Vorstellung, dass da
einer ist, der unser Leben begleitet und an den man sich wenden
kann, fremd. Sie können sich nur an sich selbst wenden,
sich anstrengen, dass die lichtlose Zeit ein Ende finde. Das ist
noch schlimmer als Gottferne.

Von: Kathrin Asper