So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung. Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Jesaja 63,15

Das Verhältnis zwischen dem Volk und seinem Gott ist mehr
als zerrüttet. Es klagt, und es klagt Gott an: Er habe sich
abgewendet von Israel, er habe zugelassen, dass Feinde von
ausserhalb im Land wüten und es zerstören konnten. Er habe
sein Volk abdriften lassen in die Abgründe der Schuld. Er
habe zugeschaut und sie allein gelassen. Auch wenn durch
die lange Klage durchscheint, dass das Volk diesen garstigen
Graben zu Gott letztlich selbst zu verantworten hat und
sich immer wieder treiben liess von der Schuld, es kann sich
nicht bewegen. Es schreit zu Gott, er solle doch sehen, was
«da unten» läuft, solle sich aus seiner Erhabenheit hinunterbeugen
und Mitleid bekommen mit dem irrenden Volk.
Es schreit um Hilfe. Durch das Klagen über seine eigenen
Verfehlungen drückt von Zeit zu Zeit die Hoffnung (und
Erwartung) durch, dass Gott doch ein Gott der Barmherzigkeit
ist – wo ist dieser Zug an Gott geblieben? Der lange
Abschnitt endet erst im nächsten Kapitel: Willst du, Herr,
schweigen und uns demütigen über die Massen? (Vers 11)
Das anklagende Volk weiss offensichtlich schon, dass es vieles
von dem, was es erleidet, selbst verursacht hat. Aber es
lässt dennoch nicht ab von der Hoffnung auf Gott. Und Gott
lässt sich «herab» und verlässt dieses schwierige Volk nicht
(Kapitel 65–66). Das ist auch uns gesagt …

Von: Hans Strub