Seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken; denn euer Werk hat seinen Lohn. 2. Chronik 15,7

Ich bin so reformiert geprägt und konditioniert, dass ich
immer ein wenig zusammenzucke, wenn von «Lohn» die
Rede ist. Schliesslich haben wir gelernt, wir glauben und
bekennen: «Alles ist Gnade.»
Dieses Bekenntnis soll auf keinen Fall relativiert sein. Das
Evangelium von der Gnade ist befreiend in einer Welt, in der
alles berechnet wird und es das erste und oberste Ziel zu sein
scheint, dass Kosten möglichst tief zu halten, aber möglichst
hohe Gewinne anzustreben sind. Das bedeutet nämlich in
der Regel harte, leider oft erfolglose Kämpfe um gerechten
Lohn für die unten auf der Leiter.
Durch den Begriff der «Wertschätzung» lassen sich Gnade
und Lohn indessen gut verbinden. Dann ist «Lohn» nicht
ein gnadenlos ausgehandelter Deal, nicht ein Recht, um das
ich kämpfen muss. Lohn ist dann Ausdruck von Respekt. Ich
werde gesehen, ich werde angesehen in dem, was ich tue.
Ich werde ernst genommen; mein Engagement bleibt nicht
unbemerkt, sondern bekommt ein Echo.
Unsere Beziehung zu Gott ist nicht ein frommer Handel,
sondern eine Beziehung der Wertschätzung. Gott sieht und
anerkennt, was wir tun, und wir werden von Gott die Zeichen
von Wertschätzung bekommen, die wir brauchen, um
in und trotz allem weiter zu glauben, zu hoffen und zu lieben.

Von: Benedict Schubert