HERR, zürne nicht so sehr und gedenke nicht ewig der Sünde! Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind! Jesaja 64,8

Ich habe mich doch entschuldigt! Zwei Mal. Und auch eingesehen,
dass ich Fehler gemacht habe. Können wir nicht
wieder Freunde sein? Kann nicht alles wieder gut sein?
Vergeben ist gar nicht so einfach. Und manchmal kommt
auf eine Vergebungsbitte auch gar keine Antwort. Wie es
zu Jesajas Zeiten ausging, weiss ich nicht. Heute hat sich
manches geändert.
Zum Beispiel bitten die verschiedenen Kirchen um Vergebung
bei Menschen, die oft jahrelang unter Missbrauch
in ihren Kirchen gelitten haben. Und sie entschuldigen sich
öffentlich, benennen die Fehler und können kaum damit
umgehen, wenn die Entschuldigung nicht grad angenommen
wird. Dann folgt mitunter ein scheinbar verbindendes,
emotionales «Seht doch, wir sind alle Gottes Kinder und
unter seiner Liebe versammelt». Doch es ist furchtbar, wie
viel Leid Menschen in kirchlichen Strukturen erfahren mussten.
Und so glaube ich, nachvollziehen zu können, warum
sie nicht so reagieren, wie es sich die Kirche wünscht. Die
Irritationen
darüber auf leitender Ebene sind vielleicht vergleichbar
mit jenen der Menschen in Jesajas Zeiten. Gib uns
doch ein Zeichen! Wir sind doch alle dein Volk! Als ob Gott
das nicht selbst wüsste. Wer, wenn nicht sie! Allerdings ist
Gott keine Kirche. Und ich glaube, sie hat uns durch Jesus
bereits alles vergeben. Oder besser nicht?

Von: Jan Simowitsch