Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HERRN, der vom Tode errettet. Psalm 68,21

Endlich mal klar und einfach! Haben sich die Christen schon
vor Jahrhunderten gedacht. Und seit diesen Tagen wird
Psalm 68 immer wieder als wichtiger Verweis des Alten Testaments
auf Jesus gesehen. Eindeutiger geht es ja auch kaum:
«Wir haben den Herrn, der vom Tode errettet.» Wer könnte
das sein, wenn nicht Jesus?
Und irgendwann fingen gelehrte Menschen an, genauer
hinzusehen, und stellten fest, es braucht sehr viel Wohlwollen
und manche geschickte Umdeutung, um diese Interpretation
als stimmig darzustellen. Und nun?
Bringt das unser christliches Konzept ins Wanken? Hoffentlich
nicht. Oder vergessen wir die Widersprüche besser
schnell wieder? Hoffentlich auch nicht.
Vielleicht ergreifen wir die Chance, uns wieder mehr unserer
jüdischen Wurzeln bewusst zu sein, und lesen den Psalm
als altes Loblied auf Gott und nicht als messianischen Siegespsalm.
So wie alle Psalmen ist auch dieser kein christlicher
Text, sondern ein Psalm, der bereits vor mehr als zweitausend
Jahren in der jüdischen Tradition gedacht und gebetet
wurde. Und manche Bilder in den Psalmen bringen unseren
Himmel zum Leuchten, manche Bilder verdunkeln ob ihrer
Härte unsere Stirn, und manche verstehen wir ganz und gar
nicht. Doch gerade auf der emotionalen Ebene finden wir
hier oft bezaubernde Beschreibungen, die so zeitlos sind,
dass auch wir ganz mühelos daran anknüpfen können.

Von: Jan Simowitsch