Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Jona 2,3

Ich durfte eine behütete und vertrauensvolle Kindheit erleben
und gehöre vielleicht deshalb zu den Menschen, die
Angst nicht allzu oft kennen.
Und doch gibt es sie – diese Momente der Furcht:
Plötzlich gerät mein Auto in einer Kurve ins Schleudern. Die
Mauer am Strassenrand kommt bedrohlich näher.
Ein Haus, in das ich einziehen will, beginnt zu wanken, droht
einzustürzen – ich schrecke hoch, schweissgebadet. Gott sei
Dank – nur ein Traum.
Oder die Schmerzen meiner schwer erkrankten Freundin,
die stärker werden. Die Beklemmung um ihr Leben fühlt sich
an, als griffen dunkle Mächte nach ihr. Es macht ihr Angst.
In solchen Augenblicken bleibt oft nur ein Ruf. Ein Stossgebet.
Ein schlichtes: «Himmel hilf! Gott, rette mich!»
Jona betet so – aus der Tiefe, aus der Not. Und Gott hört.
Stossgebete sind kein Zeichen schwachen Glaubens. Im
Gegenteil: Sie sind Vertrauen im Ausnahmezustand. Sie setzen
voraus, dass da einer ist, der hört.
Vielleicht sind sie die ehrlichsten Gebete überhaupt.
Kurz. Drängend. Wahr.
Und immer wieder zeigt sich: Ein Ruf genügt.

Von: Barbara Heyse-Schaefer