Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen
gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen! Psalm 115,1

Als einzelner Satz aus dem Zusammenhang gerissen, spricht
mich der Vers wenig an. Typisch Bibel: der Mensch ganz
klein und Gott ganz gross. Das wurde mir als Kind in einem
bestimmten Milieu immer wieder eingetrichtert.
Der Kontext allerdings lässt für mich den Vers in einem
anderen Licht erscheinen. Die Heiden fragen: «Wo ist denn
ihr Gott?» Weder zu sehen noch mit Händen zu greifen. Was
ist das denn schon gegen die prachtvollen und Ehrfurcht
gebietenden Götterstatuen?
«Wo ist denn unser Gott?» – das frage ich mich auch so
manches Mal, wenn ich zum Beispiel in der Seelsorge Menschen
begegne, die vom Leben einfach nur gebeutelt wurden.
Oder wenn ich die Nachrichten einschalte: Wo wird
denn da dem Namen Gottes Ehre zuteil?
Eben da macht er seinem Namen Ehre, wo Menschen an
dem unsichtbaren und oftmals unscheinbaren Gott festhalten.
Trotz der Putins und Trumps und wie sie alle heissen,
die Ehre und Macht für sich beanspruchen. Und staunend
erlebe ich, wie Menschen, die schwere Schicksalsschläge
hinnehmen mussten, dennoch nicht verzweifeln, sondern
weiterhin auf die Kraft des Lebens vertrauen. Da macht er
seinem Namen Ehre, wo Menschen trotz aller realen Bedrohungen
dennoch auf die Gnade und Treue des unsichtbaren
Gottes setzen, dem Sieg des Lebens trauen und heute schon
danach handeln.

Von: Armin Schneider