Autor: Armin Schneider

18. März

Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
stärke deinen Knecht mit deiner Kraft! Psalm 86,16

Heute geniesse ich den Ruhestand. Aber ich weiss noch allzu gut, wie das im Berufsleben war: Der Terminkalender gefüllt bis an den Rand, die Aufgaben und Herausforderungen türmen sich auf. Wie soll ich das alles schaffen?
Manchmal habe ich es in solchen Momenten geschafft, aus dem Hamsterrad auszusteigen und die Hektik zu unterbrechen. Nein, die Arbeit macht sich nicht von selbst. Und dennoch: Bevor ich anfange zu überlegen, wie ich diese oder jene Entscheidung treffe; bevor ich mir Gedanken mache, wie ich diesen oder jenen Termin angehen kann; bevor ich beginne, meine erste Ansprache zu formulieren: still werden, innehalten, mich besinnen: «Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke deinen Knecht mit deiner Kraft.»
Da sind nicht nur die Entscheidungen, die ich zu treffen habe; da sind nicht nur die Termine, die bewältigt sein wollen; da sind nicht nur die Worte, die ich finde oder nicht finde – da ist auch noch ein Anderer.
Da ist der, vor dem ich still werden, zur Ruhe kommen und dem ich mich anvertrauen kann. Da ist eine Kraft in der Welt, die auch meinem Leben immer wieder neue Kraft gibt. Das habe ich erfahren dürfen und es hat mir gutgetan. Und tut mir auch heute, im Ruhestand, immer noch gut. Bevor ich einen Blick auf mein Smartphone werfe oder anderes beginne, mich dem zuwende, der sich mir zuwenden will. Der Tag fängt anders an …

Von: Armin Schneider

18. Januar

Der HERR spricht: Frieden mache ich zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deiner Obrigkeit. Jesaja 60,17

Was für eine Aussicht: Frieden als Wache, also nicht nur als Abwesenheit von Krieg, sondern als aktive Kraft, die Sicherheit schafft; Gerechtigkeit als Obrigkeit, die aller Unterdrückung und Ungleichheit ein Ende macht.
Während ich diese Zeilen schreibe, tobt in der Ukraine seit vier Jahren ein mörderischer Krieg. Die letzten in Gaza noch lebenden Geiseln sind zwar frei, aber der Waffenstillstand ist sehr fragil. Frieden? Gerechtigkeit? Ein schöner Traum.
Während ein namenloser Prophet in nachexilischer Zeit seinen Traum von Frieden und Gerechtigkeit in Worte fasst, sprechen alle äusseren Umstände dagegen. Mit grossen Hoffnungen sind sie nach Jahrzehnten des Exils nach Hause gekommen. Blühende Landschaften hatten ihnen einige Propheten im Exil versprochen, aber die Gegenwart war trist und grau. Frieden? Gerechtigkeit? Ein schöner Traum.
Als Martin Luther King 1963 seinen Traum träumte, dass seine vier kleinen Kinder eines Tages nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt würden, war die Wirklichkeit meilenweit davon entfernt. Er hat die Erfüllung seines Traums nicht mehr erlebt. Aber fünfzig Jahre nach seiner Rede war ein Bürger mit afrikanischen Wurzeln Präsident der Vereinigten Staaten.
Gottes Verheissungen erfüllen sich oft anders als gedacht; aber sie gehen mit uns, sie verändern uns und unsere Wirklichkeit. Daran will ich mich halten und den Traum von Frieden und Gerechtigkeit weiter leben. Wenn Gott will, bleibt es kein Traum.

Von: Armin Schneider