Schlagwort: Armin Schneider

18. Mai

Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen
gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen! Psalm 115,1

Als einzelner Satz aus dem Zusammenhang gerissen, spricht
mich der Vers wenig an. Typisch Bibel: der Mensch ganz
klein und Gott ganz gross. Das wurde mir als Kind in einem
bestimmten Milieu immer wieder eingetrichtert.
Der Kontext allerdings lässt für mich den Vers in einem
anderen Licht erscheinen. Die Heiden fragen: «Wo ist denn
ihr Gott?» Weder zu sehen noch mit Händen zu greifen. Was
ist das denn schon gegen die prachtvollen und Ehrfurcht
gebietenden Götterstatuen?
«Wo ist denn unser Gott?» – das frage ich mich auch so
manches Mal, wenn ich zum Beispiel in der Seelsorge Menschen
begegne, die vom Leben einfach nur gebeutelt wurden.
Oder wenn ich die Nachrichten einschalte: Wo wird
denn da dem Namen Gottes Ehre zuteil?
Eben da macht er seinem Namen Ehre, wo Menschen an
dem unsichtbaren und oftmals unscheinbaren Gott festhalten.
Trotz der Putins und Trumps und wie sie alle heissen,
die Ehre und Macht für sich beanspruchen. Und staunend
erlebe ich, wie Menschen, die schwere Schicksalsschläge
hinnehmen mussten, dennoch nicht verzweifeln, sondern
weiterhin auf die Kraft des Lebens vertrauen. Da macht er
seinem Namen Ehre, wo Menschen trotz aller realen Bedrohungen
dennoch auf die Gnade und Treue des unsichtbaren
Gottes setzen, dem Sieg des Lebens trauen und heute schon
danach handeln.

Von: Armin Schneider

18. März

Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
stärke deinen Knecht mit deiner Kraft! Psalm 86,16

Heute geniesse ich den Ruhestand. Aber ich weiss noch allzu gut, wie das im Berufsleben war: Der Terminkalender gefüllt bis an den Rand, die Aufgaben und Herausforderungen türmen sich auf. Wie soll ich das alles schaffen?
Manchmal habe ich es in solchen Momenten geschafft, aus dem Hamsterrad auszusteigen und die Hektik zu unterbrechen. Nein, die Arbeit macht sich nicht von selbst. Und dennoch: Bevor ich anfange zu überlegen, wie ich diese oder jene Entscheidung treffe; bevor ich mir Gedanken mache, wie ich diesen oder jenen Termin angehen kann; bevor ich beginne, meine erste Ansprache zu formulieren: still werden, innehalten, mich besinnen: «Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke deinen Knecht mit deiner Kraft.»
Da sind nicht nur die Entscheidungen, die ich zu treffen habe; da sind nicht nur die Termine, die bewältigt sein wollen; da sind nicht nur die Worte, die ich finde oder nicht finde – da ist auch noch ein Anderer.
Da ist der, vor dem ich still werden, zur Ruhe kommen und dem ich mich anvertrauen kann. Da ist eine Kraft in der Welt, die auch meinem Leben immer wieder neue Kraft gibt. Das habe ich erfahren dürfen und es hat mir gutgetan. Und tut mir auch heute, im Ruhestand, immer noch gut. Bevor ich einen Blick auf mein Smartphone werfe oder anderes beginne, mich dem zuwende, der sich mir zuwenden will. Der Tag fängt anders an …

Von: Armin Schneider