Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt. Sprüche 16,32

Weise Sprüche können zuweilen nerven, ganz besonders die

«Besser-als-Sprüche». Sie sind so übervernünftig und dazu noch hochprozentig erzieherisch. Da ich weder besonders geduldig bin noch ein Meister der Selbstbeherrschung, neige ich darum bei dieser Losung dazu, gar nicht richtig hinzuhö-ren. Dabei ist sie hochgradig politisch!

Sie richtet sich nämlich an Starke und an Mächtige, die Städte einnehmen. Morgen jährt sich «9/11» zum fünfund-zwanzigsten Mal – ich sehe die brennenden Türme vor mir. Und ich denke an den Terror der Ungeduldigen und an den Krieg gegen den Terror, der danach folgte. Ich denke an die Kriege, die sich in den letzten Jahren häuften, und an ungeduldige «Staatsmänner», die Städte und Länder ein-nehmen wollen. Ich sehe die alten Kriegsgurgeln, die sich nicht beherrschen und sich benehmen wie ungezogene Halbstarke …

Das ist die Weisheit, die ich aus dem Spruch ziehe: Weise Sprüche mögen nerven, aber eine Politik, die uns hilft, miteinander geduldig zu sein, ist besser als die Gewalt ungeduldiger Machtmenschen, die bereit sind, über Leichen zu gehen. Ach, hätten sie doch eine bessere Erziehung genossen oder wenigstens ab und zu einen hochprozentig weisen Bolderntext gelesen!

Von: Ralph Kunz