HERR, du bist der Armen Schutz gewesen in der Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Tyrannen wüten. Jesaja 25,4
«Danklied der Erlösten» ist der Abschnitt überschrieben,
aus dem die heutige Losung entnommen ist. Er folgt bei
Jesaja auf ein Kapitel, in dem die Verheerung und Zerstörung
der Erde in schrecklicher Anschaulichkeit geschildert wird:
«Siehe, der HERR macht die Erde leer und wüst und wirft
um, was auf ihr ist, und zerstreut ihre Bewohner.» (24,1)
Die Erde ist verwüstet und entweiht; «verschuldet haben
es, die darauf wohnen» (24,6). Wenn ich das lese, sehe ich die
Bilder zerstörter Städte und Landschaften vor mir im Nahen
Osten, in der Ukraine, im Sudan, im Kongo; Menschen auf
der Flucht, vertrieben, schutzlos … Grausamkeit, Machtgier
und Gewalt scheinen zeitlos und übermächtig.
Und dann dies: «HERR, du bist mein Gott, dich preise ich;
ich lobe deinen Namen … du bist der Armen Schutz gewesen
in der Trübsal …» (Verse 1 und 4). Es kommt mir vor wie ein
Wunder, wenn Menschen in solcher Not nicht die Hoffnung
verlieren, sondern an Versöhnung und eine Zukunft glauben,
wie Hamza Abu Howidy aus Gaza, der sagt: «Ich glaube, das
Wichtigste ist wirklich, das man im anderen einen Menschen
sieht, keinen Feind.» Ich sehe darin ein Zeichen der Treue
Gottes, der seine Menschenkinder nicht aufgibt. «Er wird
den Tod verschlingen auf ewig und Gott der HERR wird die
Tränen von allen Angesichtern abwischen.» (Vers 8)
Von: Annegret Brauch