Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, gnädig sein. Amos 5,15

Das Stadttor, ein überdachtes Torhaus, ist zugleich der Ort
für öffentliche Gerichtsverhandlungen. Dort sitzen die Ältesten,
entscheiden Streitfälle, bezeugen Verträge. Es herrscht
ein ständiges Kommen und Gehen, Neugierige bleiben stehen,
um zuzuhören. So viel Öffentlichkeit ist keine schlechte
Voraussetzung für gerechte Entscheidungen.
Aber es läuft nicht gut. Amos ist ein kritischer Zuschauer.
Was er hier beobachtet, macht ihn zornig. Die Reichen bereichern
sich schamlos auf Kosten der Armen, erlegen ihnen
überrissene Pachtzinsen auf, treiben hohe Abgaben von der
Ernte ein. Und die Richter spielen das Spiel der Reichen mit,
nehmen Bestechung an und wimmeln die Armen ab. Wer
sich ihnen entgegenstellt, wird verspottet, zum Schweigen
gebracht (Amos 5,10–15).
«Hasst das Böse und liebt das Gute!» Bei Amos gibt es
nichts zu deuteln, was denn das Böse und was das Gute sei.
Nicht immer ist das so eindeutig.
Kennen Sie solche Situationen, wo man Flagge zeigen
muss? Ich erinnere mich an einige Begebenheiten … Es
kostete enorm Mut und war letztlich befreiend, trotz der
Anfeindungen, die damit einhergingen. Und wie viele Male
habe ich gekniffen? Wird der HERR, der Gott Zebaoth gnädig
sein? Vielleicht …

Von: Dorothee Degen-Zimmermann