Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Josua 1,9

Mose ist gestorben und Josua folgt ihm nach. Nun geht
es über den Jordan ins verheissene Land und Gott ermutigt
den Nachfolger: «Sei getrost und unverzagt!» Diese Worte
kommen immer wieder vor im ersten Kapitel. Das könnte ich
schön und erbaulich finden, aber leider kenne ich die Fortsetzung
der Geschichte. Und ja, das, was jetzt folgt, ist nichts
anderes als ein Eroberungskrieg. Oder Kolonisierung. Oder
Besetzung. Denn das verheissene Land ist kein Niemandsland.
Es wohnen schon Menschen da. «Landnahme» bedeutet
also Vertreibung, Raub und Totschlag. Und das alles im
Namen Gottes. Ja genau, das trübt meine Freude an der
schönen Losung. Irgendwie erinnert sie mich an eine Szene
in einem (schlechten) Kriegsfilm. Man hört die Stimme aus
dem Off und sieht im Licht des Sonnenuntergangs die glänzenden
Rüstungen – alles ist bereit für die nächste Schlacht.
Aber so steht es nun mal in der Bibel geschrieben …
Einzig das Wissen, dass sie nicht so endet wie ein schlechter
Kriegsfilm, rettet die Geschichte. Gott sei Dank kenn
ich die Fortsetzung. Ich weiss, dass die «Landnahme» eine
ganz andere Wendung nimmt. Das macht das Erzählte nicht
erbaulich, aber immerhin erträglich. Am Ende kommt ein
Nachfolger, der aus Schwertern Pflugscharen macht und
Friedensstifter und Landlose seligspricht. Das lässt mich
getrost und unverzagt sein!

Von: Ralph Kunz