Der HERR macht die Blinden sehend. Psalm 146,8

Die heutige Losung ist einer Aufzählung von Gottes Fürsorge
entnommen. Das Wort «Fürsorge» ist aus unserem Wortschatz
fast ganz verschwunden. Wir wollen nicht von jemandem,
von ihrer oder seiner Fürsorge abhängig sein, sondern
selbstbestimmt leben. Alles selbst in der Hand haben. Der
Psalm spricht eine andere Sprache. Er spricht von den wunderbaren
Taten Gottes, der Lebendigen. Durch ihre Fürsorge
werden Blinde sehend, Gekrümmte können wieder aufrecht
gehen.
Sollen wir uns also nicht mehr um unsere Mitmenschen
kümmern?
Sollen wir einfach alles der Lebendigen überlassen?
Sicher nicht. Vielleicht gelingt es uns, unsere Blindheit
abzulegen und unseren Blick auf die Mitmenschen zu richten.
Ganz unverkrampft, weil uns die Lebendige mit ihrer
Zuwendung nahe ist. Das macht uns frei von der Sorge um
uns und schenkt uns Kraft und Mut. Natürlich sollen wir
uns als Sehende auch um uns kümmern. Der Blick auf die
Lebendige schenkt uns dazu Vertrauen. Und noch etwas:
Der Psalm öffnet den Blick auch auf die Weit: Nicht nur
das Leiden wird benannt, sondern der Psalm sagt uns auch,
dass wir nicht auf Fürsten bauen sollen. Die Zuwendung
der Lebendigen ist grösser, weiter, befreiend und öffnet die
Augen und die Herzen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud