Schlagwort: Madeleine Strub-Jaccoud

4. Mai

Gelobt sei der HERR täglich. Gott legt uns eine Last auf,
aber er hilft uns auch. Psalm 68,20

Die Zürcher Bibel übersetzt den Text so: «Gepriesen sei der
HERR Tag für Tag. Der Gott, der uns Hilfe ist.»
Der Kommentar zu diesem Psalm sagt, er sei undurchsichtig.
Offenbar bezieht er sich auf eine schwierige Situation.
Diese wird als Last beschrieben. Die Zürcher Bibel lässt dies
weg. Ob sie uns deshalb besser gefällt? Beide Übersetzungen
sagen uns, wir sollen die Lebendige jeden Tag loben, ihr
Danke sagen. Danke für das Leben. Danke für das Mitunssein.
Danke für die Nähe. Und gerade heute, wo die Situation mit
so viel Krieg, Ungerechtigkeit, Unsicherheit auf unser Leben
drückt, sollen wir Gott, die Lebendige, loben. Es darf aber
nicht sein, dass wir das Lob daraus beziehen, dass es uns
Privilegierten gut geht. Vielmehr soll es uns Kraft schenken,
um an die Menschen zu denken, deren Würde mit Füssen
getreten wird. Die Lebendige schenkt Hilfe, gerade ihnen und
in erster Linie ihnen, auch wenn wir davon nichts spüren.
Durchhalten mit dem Lob, mit dem Glauben an die Hilfe,
durchhalten mit den Gedanken, das will mir heute unser
Text sagen. Ich glaube, dass das kein Krampf ist, sondern
einfach das, was hilft.

Danke, Gott, für deine Hilfe, die du allen Menschen schenkst.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. Mai

Gideon sprach zu dem HERRN: Hab ich Gnade vor dir gefunden, so mach mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet. Richter 6,17

Der junge Gideon wird von Gott zum Propheten berufen. Er
soll Israel wieder auf den Weg mit dem Gott des Lebens führen.
Gideon will nicht glauben, dass er Gottes Stimme hört,
und bittet ihn um ein Zeichen. Ich lese den Text gebannt
weiter. Wie wird sich Gott verhalten? Und so bittet Gideon,
Gott möge nicht von ihm gehen, bis er die Gaben bereitet
hat. Und dieser sagt: «Ich werde bleiben.» Gideon hat wohl
das schönste Zeichen, das es gibt, erhalten: Gott sagt, dass er
bleibt, ohne dieses Bleiben an Bedingungen zu knüpfen. Ich
verstehe diese Geschichte von damals wie ein Bild, das ich
anschaue. Es gefällt mir, und ich nehme es innerlich mit. Und
so, wie mir das Bild gefällt, tut mir auch diese Geschichte gut.
Sie zeigt auf, dass Gott den Menschen nahe sein will, dass er
mit ihnen auf dem Weg ist, dass er ein Gott der Gerechtigkeit
und des Friedens ist. Ich frage nicht nach Zeichen, aber ich
bitte um Gottes Nähe, um seine Liebe und um seinen Schutz
auf meinem Weg. Und dies gilt nicht nur mir, sondern gerade
den Menschen, die Gottes Nähe besonders brauchen. Sie
sollen in Würde, Gerechtigkeit und Frieden leben können.

Danke für deine Nähe zu allen Menschen, schenke Kraft
und Liebe.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. April

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Psalm 84,2

Der Psalm spricht die Heiligtümer an. Dort wohnt Gott. Es wird nicht ganz klar, ob die Menschen in den Raum treten dürfen oder ob sie nur in die Vorhöfe zugelassen sind. So weiss ich nicht, wo genau Gottes Wohnung ist. Aber das scheint mir auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es, dass ich versuche, auf die Stimme Gottes, der Lebendigen, zu hören. Und das kann ich ohne Heiligtümer, nicht aber ohne Menschen, mit denen ich mich austauschen kann. In meinem Verständnis braucht Gott weder Kirchen noch Kapellen, sondern Menschen, die mit offenen Augen und Herzen festhalten an der Liebe, die uns von der Lebendigen zuteilwird. Und dabei geht es auch darum, immer wieder neu daran zu denken, dass Gott auf der Seite der Armen, der Leidenden, der Unterdrückten steht. Ihnen gilt die Liebe der Lebendigen in erster Linie. Um dies immer wieder neu zu bedenken, brauche ich Menschen, die mit mir unterwegs sind in der Vision, dass Gerechtigkeit und Frieden möglich sind. Das Zusammensein mit Menschen, die diese Vision teilen, ist ein Raum, den ich als Heiligtum erlebe. Denn es entsteht neue Kraft und neue Hoffnung.
Darum: Gesegnete Ostern mit einem Lachen und dem Glauben an das Leben.

Stärke und erneuere du unsere Hoffnung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. April

Lobt den HERRN, alle Völker!
Rühmt ihn, ihr Nationen alle! Psalm 117,1

Es ist gerade etwas schwierig in meinem Kopf. Ich bin in tiefer Trauer verbunden mit all den Menschen, die unter der Brandkatastrophe in Crans-Montana am Neujahrsmorgen leiden, und den unzähligen leidenden Menschen weltweit. Und gleichzeitig soll ich dem kürzesten Psalm folgen und Gott loben. Es ist Karfreitag, der Tag, an dem wir über den tiefen Inhalt unseres Glaubens nachdenken. Jesus wird umgebracht. Wir glauben, dass sein Tod nicht vergebens ist, sondern dass Ostern wird. Und gleichzeitig bin ich wieder beim Psalm. Meine Trauer ist nicht weggewischt, sie ist da. Ist es die Auseinandersetzung mit Karfreitag, die mir hilft? Ist es die Dankbarkeit für den Einsatz so vieler Menschen bei dieser Katastrophe? Ist es die Lebendige, die mir Kraft schenkt? Loben mag ich nicht. Aber ich kann Gott, der Lebendigen, Danke sagen, dass immer wieder Hilfe Wirklichkeit wird. Ich kann Danke sagen für das Leben, das am Karfreitag eine stärkende Bedeutung erhält. Ich kann im Gebet an all die leidenden Menschen denken. Und ich kann um Gottes Gegenwart bitten.
Sei du heute bei allen Menschen rund um die eine bewohnte Erde, die dich und deine Liebe besonders brauchen.

Von: Madeleine Strub-Jacoud

4. März

Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben,
was dein Herz wünscht. Psalm 37,4

Der Psalm enthält Ermahnungen an die Armen, die Besitzlosen, sie sollen Lust haben an Gott, der Lebendigen. Irgendwie sträubt sich etwas in mir: Weshalb sollen sie ermahnt werden? Ermahnungen enthalten für mich doch immer auch Zurechtweisungen. Und das haben die Armen nicht verdient. Der Psalm wurde in einer anderen Zeit und einem anderen Kontext geschrieben. Und so versuche ich, zu verstehen: Gott will den Armen Gutes tun. Sie sollen Gerechtigkeit erfahren, auch heute. An uns ist es, uns dafür einzusetzen. Der Zweifränkler für die Obdachlose, die Spende an ein Hilfswerk, ist es das, was ich tun kann? Ja, aber ich kann noch mehr. Ich kann Gott um Gerechtigkeit für Leidende bitten. Ich kann mich einsetzen dafür, dass bei der Entwicklungshilfe nicht immer mehr gespart wird, indem ich davon rede mit anderen und laut werde. Ich kann mit anderen Menschen den Glauben an das Leben teilen und so meine Hoffnung auf Gerechtigkeit erneuern. Ich weiss, das alles ist nicht viel. Aber es kommt auf die Haltung der Menschen an, die nahe bei Gott sind, auf ihre Beharrlichkeit, ihr kritisches Denken, ihr Engagement.
Die Armen müssen nicht ermahnt werden, sie sollen Platz haben in unserem Herzen, in unseren Gebeten und unserem Handeln. Das ist meine Lust an Gott, der Lebendigen, dem Gott des Lebens.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. März

Die Israeliten schrien zu dem HERRN und sprachen:
Wir haben gesündigt, denn wir haben unseren Gott verlassen. Richter 10,10

Gott sagte zu den Israeliten etwa das: «Selber schuld, wenn ihr jetzt im Chaos ertrinkt und leiden müsst. Ihr habt mich verlassen und anderen Göttern gedient. Ich rette euch nicht mehr.» Aber Gott, die Lebendige, konnte das Leiden der Israeliten nicht länger ertragen und griff ein mit ihrer Rettung. Das Buch Richter ist ein politisches Buch, denn es geht darum, das Königtum zu etablieren. Das Eingreifen Gottes, die Rettung, zeigt die Empathie Gottes für die Menschen, zeigt seine Liebe und Zuwendung auch dann, wenn die Menschen Gott verlassen.
Ich ertappe mich dabei, zu denken, das war einmal, heute leben wir mit so vielen Kriegen, mit Hunger, Angst, Unterdrückung und auch Chaos. Wo ist da Gottes Eingreifen, was muss noch alles geschehen, damit die Lebendige den Menschen die Umkehr zumutet? Und gleichzeitig bitte ich darum, dass die Lebendige bei den leidenden Menschen sei, sie stärke und ermutige. Nicht sie müssen umkehren, sondern die Mächtigen. Und so schreie ich zu Gott, der Lebendigen, dass Umkehr geschieht, damit Gerechtigkeit und Frieden weltweit möglich werden.


Schenke du der Welt Rettung, Gerechtigkeit und Frieden!

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. Januar

Wessen Zuversicht der HERR ist, der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. Jeremia 17,7.8

Haben Sie auch einen Lieblingsbaum? Meiner ist die Linde auf Boldern. Ihr Blätterwerk gibt Schatten, beschützt, lässt aber den Blick ins Licht zu. Ihre Blüten riechen wunderbar und ihre Früchte würden einen feinen Tee ergeben. Die Linde mit den alten Wurzeln ist für mich ein Symbol der Zuversicht, weil sie schön ist, mich beschützt und meine Gedanken auffängt. Ich brauche die Zuversicht, damit ich meinen Weg gehen kann, damit ich für jeden Schritt Kraft habe. Zuversicht nimmt mich mit, lässt mich nicht stehen bleiben. Ich bekomme sie, wenn ich mit Menschen unterwegs bin, Menschen, die mit mir gehen. Ich bekomme sie, wenn ich Gott, die Lebendige, darum bitte. Und ich bekomme sie, wenn ich an meine Grosskinder denke und ihnen einen guten Weg wünsche. Ich bekomme sie aber auch, wenn ich an meine Wurzeln denke und dankbar auf mein Leben schaue, mit allen Höhen und Tiefen. Und gerade die Momente des Kraft-Schöpfens kann ich unter meiner Linde erfahren. Denn sie erinnert mich daran, dass unter ihrem Dach Visionen entstanden sind und weiter entstehen, Visionen von Gerechtigkeit und Frieden und der Würde aller Menschen.

Schenke uns immer neu Zuversicht und den Blick auf dich.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. Januar

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben. Sprüche 17,5

Ist doch selbstverständlich, wenn wir mit wachen Augen auf die Welt schauen! Und das ist doch Teil unseres Weges mit Gott, der Lebendigen. Auf diese Selbstverständlichkeit folgt, wie könnte es anders sein, ein Aber. Die Schöpfung ist ein Ganzes, die eine bewohnte Erde. Und da stossen wir auf so viele arme, leidende, hungernde Menschen, Menschen auch, vor allem Frauen, denen die Bildung versagt bleibt. Die Losung mutet uns zu, auf der Seite der Armen zu sein und Gottes Schöpfung zu bewahren. Unser Einstehen ist gefragt. Was aber, wenn wir mit der Ohnmacht zu kämpfen haben? Dann tut es gut, den Blick auf Gott, die Lebendige, zu richten und sie um Beistand für die Menschen in Armut zu bitten. Wir sollen aber auch Widerstand leisten, Widerstand dagegen, dass die Würde der Menschen verletzt wird. Und wir können unsere Visionen von Gerechtigkeit und Frieden mit andern teilen. Die Lebendige braucht Menschen, denen das Leben aller wichtig ist. Und so denke ich ganz besonders an all die Frauen, die unter struktureller Gewalt und Unterdrückung leiden. Und ich denke an die Menschen, die unter Krieg leiden. Und ich empöre mich, wenn kranken Kindern aus dem Gazastreifen die Pflege bei uns verweigert wird. Gottes Zumutung ist das Einstehen für die Armen.

Schenke du den armen Menschen deine Liebe.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. Januar

Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir
und hörte mein Schreien.
Psalm 40,2

David hat Schweres erlebt. Er schreit zu Gott und bittet um sein Eingreifen. Und Gott, die Lebendige, hat sein Schreien gehört. Es sind zwei Gedankenstränge, die mir entgegenkommen. Der erste ist das Harren, ist mehr als warten. Es ist die innere Stimme, die schreit. David hofft aktiv auf Gottes Eingreifen. Er tut etwas. Er gibt seiner inneren Stimme Raum. Habe ich das Harren weggesteckt in meinem Herzen? Oder kann ich mir Zeit nehmen, um auf die innere Stimme zu hören, und ihr die Bedeutung geben, die ihr zusteht? Der zweite Gedankenstrang betrifft das Zuhören. Wie befreiend ist es doch, wenn mir jemand zuhört, auf meine Klagen eingeht, wenn es mir nicht gut geht! Hörende Menschen, die sich zu mir neigen, sind ein Geschenk. Nur ist da so oft auch etwas dazwischen. Ich will nicht klagen, ich muss doch stark sein, ich will gar nicht, dass jemand sich zu mir neigt, es könnte heissen, dass ich etwas ändern muss. Und: Kann ich zuhören, ohne von mir zu reden, oder habe ich das verlernt? Die Lebendige neigt sich uns zu. Der Psalm spricht von Errettung aus dem Leid. Aus dem Zuhören Gottes erwächst Kraft, Hoffnung, Würde. Und wie heisst es doch in einem alten Lied:
«Harre, meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt, bald der Morgen tagt.»

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. Januar

HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet? Jeremia 5,3

In Jerusalem sind die Strassen leer. Es sind nur Heuchler und Lügner zu finden. Gott hat sie geschlagen, aber es schmerzt sie nicht. Ihre Gesichter sind so hart wie Fels. Da hinein fragt der Prophet, ob Gottes Augen nicht auf Treue gerichtet seien. Die verstörenden Bilder beschreiben, wie das Volk von Gott abgefallen ist. Lange musste ich darüber nachdenken, welches Bild von Gott in diesem Text beleuchtet wird. Gott hat das Volk bestraft. Wieder kommen mir, wenn ich den Text weiterlese, verstörende Bilder entgegen, diesmal in der Rede Gottes, der Lebendigen. Sie fragt, ob sie das Volk nicht bestrafen soll. Und da finde ich in dieser Rede eine Antwort: Die Missetaten sollen geahndet werden. Die Ernte soll Einbussen haben, aber nicht vernichtet werden. Das ist der Weg, den die Lebendige dem Volk zumutet. Sie vernichtet nicht!
Gott, die Lebendige, mutet den Menschen schwierige Situationen zu, Situationen, die auch Fehler enthalten. Ich denke an die vielen Kriege, Verletzungen der Menschenrechte, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Auf Treue gegenüber der Lebendigen sind meine Augen gerichtet, denn sie vernichtet nicht. Und so wird die heutige Losung zu einem Hoffnungswort, Hoffnung auf Leben.

Danke, dass du nicht vernichtest, sondern die Menschen liebst.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud