Andreas findet seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Johannes 1,41
Stilistisch klingt dieses zweifache «Finden» holprig. Auf Deutsch würde man, um die Doppelung zu vermeiden, eher schreiben: «Andreas trifft seinen Bruder.» Doch im Johannesevangelium ist die Wiederholung bedeutsam. Zunächst «findet» Andreas seinen Bruder. Gleich anschliessend (Vers 43) «findet» Jesus Philippus, und dieser wiederum «findet» Nathanael (Vers 45). All dies geschieht scheinbar zufällig. In Wahrheit aber kommt hier ein kosmischer, allumfassender Prozess in Gang. Das Finden ist Resultat jener Suche, jener Sehnsucht, von der die Alten sungen: die Suche und Sehnsucht nach dem Messias, dem Gesalbten, dem himmlischen Gesandten, der Frieden bringt hier unten auf Erden.
Ganz am Schluss des Johannesevangeliums wird der Auferstandene den Jüngern sagen, sie sollen das Netz auf der anderen Seite auswerfen, dann werden sie «finden» (Johannes 21,6). Und tatsächlich finden die Jünger 153 Fische. Die merkwürdige Zahl bezieht sich vielleicht auf die antike Ansicht, es gebe 153 Fischarten. Jedenfalls beschreibt sie eine Ganzheit, eine Totalität. Hier, am Ende des Evangeliums, kommt der Findungsprozess, der im heutigen Lehrtext beginnt, zu seinem Ziel. Am Ende wird alles, wird das All gefunden sein.
Von: Andreas Fischer