Er wird sich unser wieder erbarmen und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen. Micha 7,19
Es war zu Michas Zeit offenbar wie heute an vielen Orten der Welt: Durcheinander, Hunger, Unrecht. Das Michabuch vertraut darauf, dass Gott, die Lebendige, sich zeigen wird. Ja, mehr noch, dass sie sich erbarmen wird und die Sünden in die Tiefe des Meeres werfen wird. Beim Lesen der Zeitung oder beim Anschauen der Tagesschau wird mir oft übel. Darum versuche ich, mit dem Verb «erbarmen» klarzukommen. Zwar weiss ich nicht genau, was es bedeutet. Aber ich denke, es geht darum, dass die Lebendige hilft, mit der Situation klarzukommen. Dann stosse ich aber an: Was ist mit den Millionen von Menschen auf der Flucht, was mit denen, die kein Dach über dem Kopf haben, oder mit denjenigen, die den Kriegen ohnmächtig ausgeliefert sind? Werden sie Erbarmen erfahren? Ich weiss es nicht. Ich kann einfach nur für sie beten. Die Meere sind verschmutzt, leergefischt. Hat es da noch Platz für unsere Sünden?
Jetzt will ich aber aufhören mit meinen Klagen und das Herz öffnen für das Vertrauen in Gott, will mich daran halten, dass die Lebendige sich erbarmt und hilft. Hat nicht Micha gesagt, dass Schwerter zu Pflugscharen werden? Dann sind die Sünden tief im Meer vergraben.
Danke, Gott des Lebens, dass du da bist und wir deines Erbarmens sicher sein dürfen.
Von: Madeleine Strub-Jaccoud