Schlagwort: Heidi Berner

25. September

Als die Jünger Jesus sahen, warfen sie sich nieder;
einige aber zweifelten. Und Jesus trat zu ihnen
und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel
und auf Erden.
Matthäus 28,17–18

Vermutlich wäre ich eher
bei jenen gewesen,
die der Sache nicht so ganz
getraut haben.
Ich habe es gerne fundiert.
Auch die Aussage:
«Mir ist alle Macht gegeben
im Himmel und auf Erden»,
hätte ich skeptisch betrachtet.
Zu schlecht ist der Ruf
der Mächtigen aller Couleur.


Wie würde er mich überzeugen?
Oder besser, aktueller:
Wie überzeugt er mich?
Mit der Schlichtheit,
mit der er allen begegnet ist,
nicht als Mächtiger,
sondern mit Zuwendung
ohne Vorurteile, ohne Skepsis.
Darin ist er mir Vorbild,
darin liegt seine sanfte Macht.
Eben doch.

Von: Heidi Berner

24. September

Gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der HERR Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern. Jesaja 61,11

In unserem Garten wächst allerlei:
Kratzdisteln, Hexenkraut, Löwenzahn,
Rainkohl, Storchenschnabel,
Nelkenwurz, Jungfer im Grünen,
Pfennigkraut, Hahnenfuss, Bocksbart
und jede Menge roter Mohn.
Die Samen dieser Gewächse,
sie sind offensichtlich überall,
gehen auf und machen meinem Gemüse
den Platz streitig. Gleichzeitig
erfreuen sie mich in ihrer Vielfalt.


Auch die Samen für Gerechtigkeit sind da,
mitten unter uns, überall.
Hoffen wir, der Wind verteilt sie –
wie die wunderhübschen Fallschirmchen
von Bocksbart und Löwenzahn.
Lassen wir die Saat aufgehen!
Geben wir ihr den Raum,
den sie braucht, den sie – vielleicht –
unserem Eigennutz streitig macht.
Schenken wir ihr fruchtbaren Boden.
Zum Ruhm der Menschheit.

Von: Heidi Berner

25. Juli

Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt
in die Wolken; er soll das Zeichen sein des Bundes
zwischen mir und der Erde.
1. Mose 9,13

Probleme türmen sich auf,
überflutet bin ich von Aufgaben,
die ich nicht bewältigen kann,
bin im Zwiespalt, kann es
unmöglich allen recht machen.
Mir selber schon gar nicht.

Schnell, schnell noch einkaufen …
Als ich das Geschäft verlasse,
schüttet es in Strömen.
Ich warte eine Weile «am Schärme».
Warte, bis der Regen nachlässt.
Sogar die Sonne scheint wieder,
blendet mich.

Als ich heimzu radle,
ist ein wunderschöner
Regenbogen aufgespannt, riesig,
fast ein Halbkreis.

Überwältigend ist er –
ein Zeichen am Himmel:
Alles wird gut.

Von: Heidi Berner

24. Juli

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit
wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden
von Gott.
2. Korinther 1,3–4

Trost hilft uns zu leben,
weiterzuleben,
wenn wir traurig sind.

Trost ist göttlich,
ist aus Liebe geboren
und aus dem Ja zum Leben.
Getröstete können
selber trösten.
Es gibt so etwas
wie eine lange Kette,
ja sogar ein Gewebe
des Trostes.
Wohl uns,
wenn wir ein Teilchen
in diesem Gewebe
sein dürfen.

Ich bin überzeugt,
dieses Gewebe hält
die Welt zusammen.

Von: Heidi Berner

25. Mai

Paulus schreibt: Ich bin der geringste unter den
Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel
heisse, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.
Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.
1. Korinther 15,9-10

Es ist ihm eingefahren,
er ist untröstlich, dass er
die Christen verfolgt hat.
Wir kennen das doch:
Manchmal liegen wir falsch.
Wie mies muss es Paulus
gegangen sein, als es ihm
bewusst geworden ist,
dass er sich geirrt hat.


Denn er ist Christus begegnet –
für ihn wahrhaftig eine Zeitenwende.
Wie erfüllt muss er gewesen sein
nach dieser Begegnung.
Das Erschrecken über seinen Irrtum
und die Erfahrung von Gnade,
von Angenommensein,
haben ihn wohl zeitlebens angetrieben.
Er ist ein Mann mit einer Mission.
Glaubwürdig.

Von: Heidi Berner

24. Mai

Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen!
Josua 24,16

Wir doch nicht!
Auf uns ist Verlass.
Komme, was wolle.
Wir sind standhaft.
Wir halten dir die Stange.
Wir sind treu. Wir bleiben.


Manchmal kommt alles anders.
Ganz anders.
Dann zeigt es sich,
wie standhaft wir sind. Wie treu.
Ach, es ist ja so menschlich,
zu versagen, untreu zu werden.


Daran will ich mich halten:
Ich scheue mich
immer ein wenig,
dich mit Namen, Begriffen
dingfest zu machen
– Gott, Lebendige, Ewiger –
mein Du, unser Du!
Du bist die Kraft, die uns
leben und lieben lässt.
Lass du uns nicht los. Nie.

Von: Heidi Berner

25. März

Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit.
2. Timotheus 4,2

Vor neun Jahren stiegen wir

im Sommer auf den Preikestolen,

den Predigerstuhl, in Norwegen.

Es ist ein Felsplateau,

600 Meter über dem Lysefjord.

Senkrecht hinunter geht es –

fantastisch ist der Ausblick.

Kein Geländer schützt

vor dem Absturz – trotzdem

oder gerade darum –

war ich geradezu berauscht

von der Exponiertheit,

der Fragilität der Existenz.

Geht es so jenen, die von oben,

von der Kanzel her predigen?

Sind auch sie berauscht?

Ergriffen von der Fragilität

der Gewissheiten?

Wer predigt, exponiert sich,

ist auch an einem Abgrund.

Und ich denke sogar, dass

wirklich gute Predigten sich

immer an den Rand

des Sagbaren trauen.

Auch ohne Kanzel.

Von: Heidi Berner

24. März

Was du, HERR, segnest, das ist gesegnet ewiglich.
1. Chronik 17,27

Sichtbar gesegnet warst du

beim Einzug in Jerusalem,

bejubelt von der Menge.

Wunderbar.

Lang hielt es nicht, das Wunder.

Wir kennen die Geschichte,

in verschiedenen Varianten

wird sie erzählt. Am Ende

hängst du am Kreuz.

Das Ende ist aber eigentlich

ein neuer Anfang.

Weiterhin bist du präsent

in unseren Gedanken,

in unserem Leben.

Bist gesegnet und segnest.

Klar, das ist alles eine Frage

des Glaubens.

Dennoch – ich hoffe,

dass auch Zweifelnde

wie ich ein Quäntchen

vom Segen abbekommen.

Damit wir selber – für uns

und für andere –

zum Segen werden können.

Von: Heidi Berner

Mittelteil März / April

Passion – in Granit gemeisselt von Heidi Berner

Im Herbst 2023 waren wir in der Bretagne. In der Umgebung von Morlaix, östlich von Brest, gibt es ganz besondere umfriedete Pfarrbezirke (enclos paroissiaux). Sie bestehen aus Triumphtoren, Beinhäusern, Calvaires (mehrstöckigen Kreuzen) und reich ausgestatteten Kirchen, alles umgeben von einer Mauer. Diese Bauwerke stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Damals sah die katholische Kirche ihre bretonischen Schäfchen in Gefahr, weil sich ein Teil den Hugenotten zugewandt hatte. Die Gegenreformation setzte daher auch auf prachtvolle Heiligtümer. Dank der florierenden Textilmanufakturen in der Gegend waren die Mittel dafür vorhanden.

Besonders beeindruckend sind die Calvaires mit Szenen von der Weihnachtsgeschichte bis zur Passionsgeschichte. Zuoberst ist jeweils Christus am Kreuz. Die Geschichten hören also beim Karfreitag auf.

Auch im Innern sind die Kirchen reich ausgestaltet. Die folgenden Bilder sind aber alle von den Calvaires, die im Freien stehen.

Versuchen Sie selbst, die Geschichten zu entziffern.

Plougonven, Kirche St. Yves

Plougonven, Kirche St. Yves

Plougonven, Kirche St. Yves

Guimiliau, Kirche St. Miliau

St. Thégonnec, Kirche Notre Dame

St. Thégonnec, Kirche Notre Dame

Pleyben, Kirche St. Germain

Von: Heidi Berner

25. Januar

Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie
werden im Licht deines Antlitzes wandeln.
Psalm 89,16

Mir geht es gut. Ich freue mich
am bunten Herbst, an Regen,
Wind und Sonnenschein
und an meinen Enkelkindern.
Wie schön wäre doch die Welt,
wenn wir uns alle freuen könnten!
Doch täglich werden wir geflutet
mit Bildern von Gewalt und Hass,
von Zerstörung, Terror, Tod.
Was ist wahr und was ist ausgeblendet?
Es bräuchte einen anderen Fokus
und ein anderes Licht, das uns den Weg
erhellt in eine friedlichere Welt.
Dieses Licht ist ja schon da – ewig.
Es ist eine Glaubenssache,
dieses ganz besondere Licht.
Möge es ins Dunkle scheinen,
auf Wege zur Versöhnung leuchten.
Möge es doch – weltweit – jene stärken,
die oft nicht im Fokus stehen,
die mit ihrer Menschlichkeit
trotzig auf die Hoffnung setzen.
Damit auch unsere Kindeskinder
sich noch am Leben freuen können.

Von: Heidi Berner