Autor: Heidi Berner

24. März

Ich denke an die früheren Zeiten; ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.        
Psalm 143,5

Es zeichnet ja uns Menschen aus,
dass wir seit Urzeit Werkzeug nutzen,
viel mehr als Tiere es je tun.
Und dies gilt nicht nur für Materielles,
sondern ebenso für das,
was uns in unserem Leben
sonst noch widerfährt.
Mit unseren Erfahrungen
– eigenen und fremden –
und auch mit Geschichten
sammeln wir im Lauf der Jahre
Werkzeuge für viele Lebenslagen.
Wenn wir dann in Schwierigkeiten stecken,
denken wir – vielleicht – an frühere Zeiten,
erinnern uns, was einst geholfen hat,
uns selber oder anderen.
Viel steckt in unseren Werkzeugkisten:
Vertrauen, Zuversicht, Geduld,
Gelassenheit, Lebensfreude und Humor.
Und in gutsortierten Kisten
sind gewiss auch diese drei:
Glaube, Hoffnung, Liebe.

Von Heidi Berner

25. Januar

Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn,
sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen  
durch
unsern Herrn Jesus Christus.         
1. Thessalonicher 5,9

Ein winziges Virus veranlasste weltweit
Staaten dazu, Notrecht zu verordnen,
unter Androhung von harten Strafen.
Denn wenn zu viele erkranken,
funktionieren Wirtschaft, Politik, Bildung
und Kultur nicht mehr,
werden die Spitäler überlastet,
kommen Krematorien an den Anschlag.
Volkswirtschaftlich, nüchtern und sachlich
ist das alles korrekt und es ist sinnvoll,
die Coronaregeln zu beachten. Und doch stockt mir der Atem,
so lieblos zornig sind die Argumente.
Wir könnten das Gute ja auch tun
– nicht nur in der Pandemie –,
weil es uns glücklich macht.
In der Bergpredigt hat Jesus
die Wege zum Glück – zur Seligkeit –
bildreich aufgezeigt. So radikal liebevoll,
dass einem der Atem stocken könnte.
Wir befolgen die Coranaregeln doch,
weil wir uns und andere schützen und
weil wir möglichst glücklich leben wollen.

Von Heidi Berner

24. Januar

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Psalm 139,1–2

Es gibt Orte, da leuchtet die Nacht
wie der Tag: Lichtverschmutzung.
Die Nacht ist biologisch wichtig.
Sie gibt den Nachtaktiven Schutz
und lässt die Tagaktiven schlafen.
Wenn immer alles hell erleuchtet ist,
sind etliche Tiere völlig verstört.
Wir Menschen sind gemeinhin tagaktiv
und dankbar für die Dunkelheit,
um nachts zur Ruhe zu kommen.
Was also ist davon zu halten, wenn
die Nacht wie der Tag leuchten soll?
Vielleicht geht es hier gar nicht um
Tageszeiten und die natürliche Abfolge
von Tag und Nacht, hell und dunkel.
Vielleicht bedeutet es, dass wir nicht
resignieren, uns nicht ins Dunkel wünschen
sollen, wenn es uns nicht gut geht,
sondern dass wir darauf zählen dürfen,
dass wir auch in unseren dunklen Stunden
begleitet sind von einer lichten Lebenskraft.

Von Heidi Berner