Autor: Carsten Marx

16. April, Karsamstag

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein vergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
2. Timotheus 1,10

Das Evangelium von Jesus Christus ist nicht allein ein Evangelium der Stärke, sondern auch der Schwäche: Jesus ist am Kreuz gestorben.
Heute ist Karsamstag: Tag der Grabesruhe. Der Tod am Kreuz war die Todesart für Verbrecher, also gescheiterte Existenzen. Die Kreuzigung sah aus wie das klägliche Scheitern eines selbsternannten Heilands. In Wahrheit aber war es ein zentrales Ereignis der heilvollen Geschichte Gottes mit uns  Menschen. Gottes Handeln vollzieht sich oft unsichtbar, in der Verkleidung des Schwachen, des Kleinen, des Misslungenen. Denken wir an die Gleichnisse, die Jesus erzählt hat: den verborgenen Schatz im Acker, die zufällig entdeckte Perle oder das winzige Senfkorn, welches dann plötzlich zu einem grossen Baum heranwächst.

Gott hat einen Plan mit uns Menschen. Er will uns unvergängliches Leben schenken. Im Glauben sollen wir dieses Geschenk annehmen. Zu Ostern feiern wir Christinnen und Christen die Freude über das Leben gegen alle Macht und Gewalt des Todes. Hoffentlich können wir ganz viele Menschen mit unserer Osterfreude anstecken und begeistern. Es ist wieder an der Zeit.
Von Carsten Marx

15. April, Karfreitag

Jesus Christus erniedrigte sich und wurde gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.  
Philipper 2,8

Gehorsam – ich mag dieses Wort überhaupt nicht. Wenn ich gehorsam sein soll, dann werde ich misstrauisch. Vielleicht will mich jemand instrumentalisieren?
Jesus war nicht misstrauisch, sondern hatte volles Vertrauen zu seinem Vater, darum gehorchte er ihm. Es war ein Gehorsam ohne Wenn und Aber. Bis zum letzten Atemzug war er gehorsam, bis zum Tod am Kreuz.

Nach dem Bericht des Markusevangeliums stirbt Jesus am Kreuz von Gott verlassen. Er ruft «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Die Frage bleibt am Karfreitag zunächst unbeantwortet. Das Karfreitagsgeschehen wirft weitere Fragen auf. Für mich bleibt, dass der grausame Tod  Jesu am Kreuz ein Zeichen dafür ist, dass  Gott den Menschen im Leiden ganz nah ist. Zwischen Gott und den Menschen soll es keine Hindernisse geben. Das Kreuz symbolisiert das ganz genau. Das Kreuz verbindet Himmel und Erde. Das Bild vom Kreuz ist lebendig. Es ist nicht das Bild des Scheiterns und der Katastrophe. Gottes Weg in die Welt ist nicht gescheitert. Es ist ein Weg der Befreiung und der Erlösung. Lebendig ist die Kraft der Liebe. Lebendig ist das Kreuz, das Jesu Nachfolger tragen. In der ganzen Welt gibt es die Zeichen dafür. Die Liebe kommt nach unten und mischt sich ein.
Von Carsten Marx

16. Februar

Wachet, steht im Glauben,
seid mutig und seid stark!                        
1. Korinther 16,13

Kennen Sie das Hinterherrufen, wenn Eltern ihre Kinder an der Haustür verabschieden? Wenn sie in der Schulzeit zur Klassenfahrt aufbrechen? Oder zu ihrem ersten Vorstellungsgespräch? Eltern rufen ihren Kindern zum Abschied hinterher, was ihnen besonders wichtig ist: Pass auf dich auf! Gute Reise! Viel Glück! Dieses Hinterherrufen finden wir auch bei Paulus am Schluss von Briefen, heute zum Beispiel im Lehrtext.

Mut und Stärke – ja, das hat die Gemeinde in Korinth damals gebraucht. Die Stadt Korinth im ersten Jahrhundert glich in mancher Hinsicht unserer westlichen Kultur heute. Die Gemeinde dort lebte inmitten einer pluralistischen Gesellschaft. Unzählige geistliche Weltanschauungen standen nebeneinander – ein religiöser Supermarkt. Es gab kaum gesellschaftlich verbindliche ethische Werte und Normen. Korinth war eine Stadt im moralischen Chaos.

Mittendrin lebte diese kleine Gemeinde von Christen, die dabei war zu lernen, Jesus im täglichen Leben nachzufolgen. Oft waren sie dabei hingefallen, wieder aufgestanden und immer wieder wurden sie aufgerichtet von Paulus und seinen Worten.

Ich weiss nicht, wohin der heutige Tag Sie führen wird. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir die Worte von Paulus für heute neu hören. Dass wir wachsam sind und unbeirrt am Glauben festhalten und mutig und stark handeln.

Von Carsten Marx

15. Februar

Die Toren sprechen in ihrem Herzen:
«Es ist kein Gott.»                  
Psalm 14,1

Gibt es Gott? Ich glaube: ja. Dabei glaube ich nicht blind, sondern aufgrund von Erfahrungen und Gedanken, die ich mir im Laufe meines Lebens gemacht habe.Am Anfang meines Glaubens steht für mich das Staunen darüber, dass es überhaupt so etwas wie unsere Welt gibt. Die moderne Physik kann zwar erklären, wie sie vor rund 14 Milliarden Jahren mit einem grossen Knall entstanden ist, sie kann auch erklären, was 2 bis 3 Millisekunden nach diesem Urknall alles geschah, aber sie weiss bis heute nicht, warum plötzlich ein ganzes Universum aus Zufall entsteht? Für mich klingt das nicht sehr überzeugend. Für mich ist das Vorhandensein des Universums, ja, dass es so etwas gibt, wie zum Beispiel die Strahlen der Sonne, das Rauschen des Windes in den Blättern oder die Fische im Meer, ein einziges Wunder. Und wenn ich viele dieser Wunder in ihrer Entstehung erklären kann, staune ich darüber. Dieses Staunen ist der Anfang meines Glaubens. Aus diesem Staunen wächst so etwas wie Vertrauen. Das Vertrauen, dass es eine Kraft hinter unserer Welt gibt, von der alles herkommt und die ich Gott nenne.

Mein Glaube hilft mir, zu vertrauen, zu lieben und zu vergeben.

Von Carsten Marx