Du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern. Psalm 104,4
Wir schauen auf einen Sommer zurück, in dem uns zahlreiche
Unwetter und die lang anhaltende Trockenheit gezeigt
haben, dass auf unserem Planeten einiges aus dem Lot geraten
ist. Wenn wir diese Naturgewalten als «Boten» verstehen,
dann als solche eines unaufhaltsamen Klimawandels.
All diese Stürme, Flutwellen, Waldbrände und Dürren in
Regionen, wo extreme Wettersituationen bisher kaum vorgekommen
sind, können kein Zufall sein. Doch im Gegensatz
zum Autor dieses Psalms aus der späten Königszeit Israels
sehen wir die Naturgewalten nicht mehr als ein Werkzeug
Gottes, mit dem er auf das unmoralische Verhalten der
Menschen reagiert, sondern wir verstehen, dass wir selbst
für diese Wetterkapriolen verantwortlich sind. Wir haben
zu spät erkannt, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe die
Atmosphäre aufheizt und meteorologisch beeinflusst. Und
doch hat sich seit diesem Psalm vor über dreitausend Jahren
etwas Grundlegendes nicht geändert: Die Natur verhält
sich moralisch nicht neutral. Das Wetter reagiert auf unseren
Umgang mit ihr – wenn auch nicht mehr in Form einer
göttlichen Strafe für irgendwelche Verfehlungen, sondern
aufgrund unseres klimarelevanten Verhaltens. In der Klarheit
der Botschaft dieses Verses liegt daher auch die Hoffnung,
diese Wetterboten als Aufruf zu verstehen, unsere Beziehung
zur Natur zu ändern und auf ihre Signale konsequent und
mit deutlich mehr Demut zu hören.
Von: Esther Hürlimann