Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! Offenbarung 22,21
Das Wort Gnade scheint etwas aus der Zeit gefallen. Und es ist uns auch nur noch in religiösem Kontext geläufig. Daher wissen wir gar nicht so recht, was wir damit anfangen sollen, wenn wir «die Gnade des Herrn Jesus» angeboten bekommen. In der christlichen Theologie wird die Gnade Gottes als Liebe und Vergebung für den Menschen verstanden. Ver-gleichbar mit der bedingungslosen Elternliebe, müssen wir nichts leisten oder liefern, um Gnade zu erfahren. Wie unter einem Schutzschild sind wir von jeglicher Erwartungshaltung und Bewertung befreit.
Eigentlich ein wunderschöner Gedanke! So befremdlich mich dieser Vers aufs Erste anmutete, so grossartig finde ich beim Nachdenken darüber die Vorstellung, dass uns der christliche Glaube diesen wohlwollenden Raum der Gnade anbietet: nämlich angenommen zu sein, unabhängig von Status, Erfolg, Leistung, Verdienst und Vermögen. Ein Raum, den wir uns selbstständig erschaffen können, indem wir uns selbst gegenüber Gnade walten lassen, wo wir zu Strenge und Härte, Kritik und Selbstzweifel neigen oder es uns an Vertrauen und Wertschätzung uns selbst gegenüber fehlt. Die Gnade ist ein Geschenk des Glaubens an uns selbst und das Gute in uns allen. Dies möchte ich heute ganz besonders beherzigen, wenn ich mit mir unterwegs bin und auf alle Menschen um mich herum achte.
Von: Esther Hürlimann