Die Erlösten des HERRN werden heimkehren. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen. Jesaja 51,11

Wenn sich lange ersehnte Möglichkeiten auftun, wenn das
scheinbar Unmögliche plötzlich Wirklichkeit wird, dann sind
wir «wie die Träumenden» (Psalm 126).
Als die Generalsynode der Evangelischen Kirche in Österreich
im März 1980 unerwartet die Gleichstellung der Theologinnen
mit ihren männlichen Kollegen beschloss, war ich
wie im Taumel. Ich war damals eine junge Theologiestudentin
im vierten Semester. Meinem langjährigen Wunsch,
Pfarrerin zu werden, stand auf einmal nichts mehr im Weg.
Die folgenden Tage erlebte ich wie im Rausch – Freude pur!
Die vielen abwertenden Erklärungen, warum dieser Weg
für Frauen nicht möglich sei, verloren plötzlich ihre Macht.
Noch intensiver mögen die Deportierten in Babylon
gefühlt haben: Über lange Zeit hatten sie sich nach ihrer
Heimat gesehnt, hatten gehofft und gezweifelt. Und dann –
als der Perserkönig Kyros II. Babylon eroberte – öffnete sich
der Weg zurück. Nach Jahrzehnten der Verbannung durften
sie heimkehren. Freude, Staunen und Erleichterung waren
stärker als alles, was sie zuvor belastet hatte.
Vielleicht erleben wir solche Momente nur selten. Aber
wenn sie geschehen, verändern sie unseren Blick. Sie zeigen,
dass festgefahrene Grenzen nicht endgültig sind, dass sich
Wege öffnen können, wo wir keine sehen. Sie erinnern uns
daran, dass Hoffnung nicht vergeblich ist.

Von: Barbara Heyse-Schaefer