Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll; denn mich verlangt
nach dir. Psalm 143,8
Im Frühling war ich unterwegs in der Türkei und zu einem
Treffen ausserhalb von Antalya verabredet. Irgendwo im
Gewirr der Strassen, schwierig zu finden, aber keine grosse
Sache mit Hilfe von Google Maps und GPS! Schliesslich hat
man das Teil, das Handy heisst, und befiehlt ihm: «Tu mir
kund den Weg, den ich gehen soll!» Und das Teil gehorcht!
Aber wehe, es funktioniert nicht mit der Verbindung. So war
es denn auch. Mein Abo streikte. Ohne Kontakt zum Satelliten
war ich aufgeschmissen.
Wenn der Psalmist nach göttlicher Wegleitung verlangt,
rechnet er auch mit einer Hilfe von oben. Aber er verfügt
nicht über sie. Er befiehlt nicht – er befiehlt sich selbst Gott
an. Zwar hat er zur Orientierung eine Karte – die Thora –
aber er hofft dennoch auf Weisung. Es ist nicht immer einfach,
im Gewirr der Strassen seinen Weg zu finden. Doch
wenn er sich auf Gott verlässt, weiss er, wohin es geht.
Ich weiss, dass der Vergleich hinkt. Gott ist keine App und
das Gebet kein Funkkontakt. Aber mich hat der Ausfall der
Technologie ziemlich verstört. Wie abhängig wir sind! Der
Psalmbeter würde das wohl auch von sich sagen. Er hängt
an Gott. Nur stört ihn das nicht. Gott ist ein Du, nach dem
es ihn verlangt.
Darf ich noch einmal einen hinkenden Vergleich machen?
Irgendwie denke ich, ein altmodisches Psalm-Abo ist besser
als die Swisscom.
Von: Ralph Kunz