Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Psalm 46,11
In diesem Psalm geht es mächtig zur Sache. Wenn ich eine
Musik zu den Worten spielen müsste, würde ich mich für die
Anfangstakte des ersten Satzes aus Beethovens Fünfter Sinfonie
entscheiden: tatataa
– tatataa!
Mächtig und prächtig,
drohend und drängend tönt es, weil Gott kommt. Und wie!
«Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen,
das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.» Und
wieder kracht es: «Kommt her und schauet die Werke des
HERRN, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet.»
Der Pazifist in mir zuckt zusammen und atmet wieder auf,
wenn er merkt, was der «Zerstörer» vorhat. Von Gott ist
die Rede, der «den Kriegen ein Ende macht in aller Welt, der
Bogen zerbricht, Spiesse zerschlägt und Wagen mit Feuer
verbrennt.» Göttlich verordnete Abrüstung also! Das wäre
doch ein Grund zum Jubel, oder nicht? Aber Gott bittet um
Ruhe. «Seid stille!» Ich bin nicht sicher, ob ich gehorchen soll.
Das Versprechen ist noch nicht erfüllt. Will ich ruhig sein?
Vielleicht muss ich vom Ende her lesen: Wenn ich sehe, wie
Gott abrüstet, erkenne ich, wer Gott ist.
Vielleicht muss ich den Aufruf, Gott als den zu erkennen,
der die Zerstörung zerstört, im Osterlicht lesen: Dass Gott
den Gekreuzigten auferweckt hat, ist entwaffnend. Am Ende
der Zeit stillt Gott die Welt. Wer sonst?
Von: Ralph Kunz