Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Psalm 90,4
Der Psalm 90, aus dem dieser Satz stammt, ist vielen als Klagepsalm bekannt, der oft bei Beerdigungen zitiert wird. Ich sehe ihn in seiner Gesamtheit, in der Klage über die Vergänglichkeit menschlichen Lebens. «Ist es nicht furchtbar, dass wir sterben müssen?», meint der Verfasser und fügt hinzu, dass dies nur mit Gott zu tun haben kann, der unseren Lebensstil bestraft. Aber was sollen wir tun? Wir haben keine Zeit im Verhältnis zu Gottes Ewigkeitsdepot! Was uns zur Verfügung steht, ist, im Verhältnis 365 000 zu eins, viel zu wenig. Viel zu wenig Zeit, um uns gottgemäss zu verhalten! Daher kann der Sünde Sold nur unser Tod sein. Für richtiges Leben scheint die Zeit zu knapp. Stimmt das oder kann die Zeit zwischen Geburt und Sterben, dieser begrenzte Zeitraum, so gefüllt werden, dass wir eine angemessene Beziehung zu Gott aufbauen, der von Ewigkeit zu Ewigkeit besteht? Unsere Zeit bleibt angesichts der tausend Jahre, beziehungsweise der Ewigkeit, eine «Kurzzeitbeziehung». Neudeutsch redet man von einem «Flash». Aber es reicht, sie nicht als Geschwätz, sondern als Leben in Klugheit (Vers 12), mit göttlichen Inhalten, zu gestalten. Nicht Verzweiflung, sondern kluges Leben ist angesagt. Immer gibt es das Risiko, dass wir Zeit auch mit Geschwätz und Grossmannssucht vergeuden! Aber jammern hilft nicht. Helfen wird die angemessene Zuordnung der eigenen zur göttlichen Wirklichkeit. Ein Leben unter der Gnade Gottes.
Von: Gert Rüppell