Der HERR sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir
und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. 1. Mose 28,15
Jakob hat ein Traumgesicht, in dem ihm Gott erscheint. Es ist ein merkwürdiges Bild, das in der jüdisch-christlichen Kultur grossen Eindruck hinterlassen hat. Jakob sieht die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Es ist eine Leiter (oder eine Treppe), auf der Engel auf- und absteigen. Auf der obersten Stufe steht JHWH und verspricht Jakob seinen Beistand. Jakob wird zum Erben des Segens, den Gott Abraham gegeben hat. Das ist alles andere als selbstverständlich. Zwar ist Jakob Abrahams Enkel, aber eigentlich wäre der ältere Bruder Esau Träger der Verheissung und nicht er. Jakob ist also einer, der sich in der Reihe vorgedrängelt hat – und doch hält Gott zu ihm. Und was ist die Moral der Geschichte?
Die Antwort gibt Jakob, nachdem er aus seinem Traum erwacht ist. Er weiss, dass er seinen Bruder übers Ohr gehauen hat, aber er will dennoch die Versöhnung mit ihm. Jetzt verheisst ihm Gott die Heimkehr. Also legt er ein Gelübde ab: «Wenn du dein Versprechen erfüllst und ich in Frieden heimkehren kann, sollst du mein Gott sein.»
(Genesis 28,20 f.) Eigentlich ist das ziemlich dreist, oder?
Aber es passt zu Jakob, der vierzehn Jahre später an einer Furt mit Gott ringt, wieder seine Chance packt und Gott im Ohr liegt: «Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.»
Von: Ralph Kunz