Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel. 5. Mose 32,10
Das Lied des Mose im Kapitel 32 hat die Form eines Gedichts mit starken Bildern. Dies zeigt sich auch im Losungsvers. In der Geschichte zwischen Gott und seinem Volk gibt es schwierige Phasen. Aber die Zeit der ersten Liebe ist nicht vergessen, und Gottes Treue gilt noch immer. Der Vers erzählt von der ursprünglichen Begegnung. Gott fand sein Volk in der Wüste und gab ihm seinen Schutz. «Er umgab es schützend, kümmerte sich um es.» Und dann heisst es wörtlich: «Er bewachte es wie das Männchen in seinem Auge.» Mit diesem Ausdruck ist die Pupille gemeint. In alter Zeit wusste man: Wenn zwei Menschen einander tief in die Augen schauen, können sie in der schwarzen Pupille des anderen ihr kleines Spiegelbild sehen – ein Männchen (Hebräisch) oder ein Püppchen (Griechisch, Latein). Der Ausdruck steht dafür, dass der Mensch ein Beziehungswesen ist. Er will das Gegenüber sehen und von ihm gesehen werden. Martin Luther fand für seine Übersetzung die Wendung, die sprichwörtlich geworden ist: behüten wie seinen Augapfel. So kostbar und so verletzlich ist das Auge, dass man besonders gut darauf aufpasst. Genau so wertvoll sind die Menschen für Gott. Wenn wir uns als Christen darüber freuen, sollten wir nicht vergessen: Was Gott wie seinen Augapfel behütet, ist in erster Linie sein Volk Israel – auch im Jahr 2026. Denn die biblischen Verheissungen gingen zuerst an das Volk Israel, wo auch die christliche Kirche ihren Anfang nahm.
Von: Andreas Egli