Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Psalm 23,5
Für das Vertrauen auf Gott wählt der Psalm starke Bilder. Im ersten Teil vergleicht er Gott mit einem Hirten, der seine Herde auf ihrer Wanderung begleitet. Dies wird in der hebräischen Bibel über das ganze Volk Israel gesagt. Neu ist im Psalm, dass der Beter es auf sich als Einzelperson bezieht: «Der Herr ist mein Hirte.» Im zweiten Teil des Psalms erscheint ein anderer Vergleich. Gott ist wie ein guter Gastgeber, bei dem man sich an einen reich gedeckten Tisch setzen kann. Nicht nur mit einem grosszügigen Essen wird der Gast verwöhnt, sondern auch mit einer Wellness-Behandlung – es gibt wohlriechendes Öl für das Gesicht – und reichlich Getränken. Die Abfolge im Psalm spricht von einer Erfahrung, die viele Menschen machen: Es gibt eine Zeit des Unterwegsseins, die schwer ist, weil der Weg durch ein dunkles Tal führt. Aber es gibt auch wieder eine Zeit des Ankommens. Jetzt kann man aufatmen, jetzt werden die wichtigen Bedürfnisse gestillt. Jetzt ist der Einzelne nicht mehr allein, sondern er gehört zu einer frohen Tischgemeinschaft. Dieser Gedanke passt zu Ostern. Die Jünger erkennen den auferstandenen Christus, als sie mit ihm zusammen am Tisch sitzen. Und sie treffen sich wieder zum gemeinsamen Essen, um an ihn zu denken.
Von: Andreas Egli