HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen. Psalm 9,20
Es wird dem Christentum hin und wieder vorgeworfen, es habe ein viel zu negatives Menschenbild. Da werde ständig die Sünde, die Sündhaftigkeit und Verworfenheit betont, statt das Gute und Schöne im Menschen zu erkennen und zu fördern.
Was soll dieser Vorwurf? Lest doch bloss die Nachrichten! Ich bete aus tiefem Herzen mit dem Psalm um Bewahrung davor, dass Menschen sich durchsetzen. Wir beten es mit grosser Dringlichkeit, manche können es nicht ohne einen Anflug von Verzweiflung beten. Es braucht viel Glaubensmut, daran festzuhalten, dass Gott «im Regimente» sitzt und uns nicht denen überlässt, die ihre Muskeln spielen und Waffen sprechen lassen. Das Schlimmste daran ist, dass im Osten wie im Westen diese Machtmenschen als Heilsbringer und Werkzeuge Gottes verehrt werden von solchen, die sich nach Jesus Christus nennen. Wir aber beten: Lass sie nicht wirklich die Oberhand gewinnen. Wir beten es in der Passionszeit in der bewussten Erinnerung daran, dass Gott dieses Gebet nicht einmal für seinen Sohn am Kreuz erhörte. Da schienen die Menschen zu siegen. Aber wir beten auch in der dankbaren Gewissheit, dass wir am Ostermorgen lachend jubeln können: Nein, die Menschen haben die Oberhand endgültig verloren. Jetzt können Menschen wieder in Würde Menschen sein.
Von: Benedict Schubert