Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht,
denn ich bin dein Gott. Jesaja 41,10

«Fürchte dich nicht!» ist eigentlich ein unmöglicher Imperativ. Wer darf das sagen? Wer so spricht, verspricht sich selbst. Im zweiten Teil des Jesaja häufen sich solche Versprechen. Gott ist es, der sich verspricht. Sein Wort soll denen, die es hören, Mut machen, Trost spenden und Hoffnung geben. Gott glaubt an Israel. Aber kommt es an? Findet es Gehör? Stösst es auf Gegenglauben? Und wenn es noch so herrlich hallt und göttlich schallt – «die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube», meinte Goethes Faust, und mir – ich gebe es zu – fehlt er manchmal auch. Oder fehlt mir am Ende die rechte Furcht? Mir kommt Asterix in den Sinn, der sich vor gar nichts fürchtet, ausser dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Gegen alle anderen Gefahren ist er gewappnet dank Miraculix’ Zaubertrank. Nein, Gottes Wort ist kein Zauberspruch! Es wirkt nicht mirakulös. Und so kommt es, dass ich hin und wieder leer schlucke, wenn ich die grossen Versprechen höre und darauf warte, dass Gott meinen Unglauben aufhebt.
Gott sei Dank geschieht es dann und wann. Geschieht es nicht, fehlt mir Gott. Aber wenn mir Gott fehlt, habe ich immerhin erkannt, dass ich keine Angst davor habe, dass mir der Himmel auf den Kopf fällt. Das ist nur Kleinglaube, ich weiss. Aber an manchen Tagen muss das genügen.

Von: Ralph Kunz