Der Gerechte erkennt die Sache der Armen. Sprüche 29,7
Der Spruch aus den Sprüchen Salomos ist kurz, aber sehr tief. Er sagt nicht: Der Gerechte hilft den Armen, sondern zuerst: Er erkennt ihre Sache. Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn echte Gerechtigkeit beginnt nicht mit Handeln, sondern mit Hinsehen und Verstehen.
«Erkennen» bedeutet mehr als nur wahrnehmen, dass es Armut gibt. Es heisst, sich berühren zu lassen, zuzuhören, nachzufragen und ernst zu nehmen, was andere bewegt. Der Gerechte verschliesst nicht die Augen vor Not, Ungerechtigkeit oder Ausgrenzung. Er sieht den Menschen hinter der Situation.
Die Bibel macht deutlich: Gott selbst steht auf der Seite der Armen, Schwachen und Übersehenen. Das betrifft nicht nur grosse soziale Fragen, sondern auch unseren Alltag: Wer wird in meiner Schule, in meiner Gemeinde, in meinem Umfeld übersehen? Wer braucht Ermutigung, Zeit oder ein offenes Ohr? Diese Haltung fordert uns heraus.
Wegsehen ist oft bequemer als hinsehen. Gerechtigkeit zeigt sich in Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Wo wir lernen zu erkennen, wächst auch die Bereitschaft zu handeln.
Von: Carsten Marx