Der HERR sprach zu seinem Volk: Siehe, ich will
euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass
ihr genug daran haben sollt.
Joel 2,19

In unserem Supermarkt an der Ecke – und es gibt bei uns viele – kann ich beim Blick auf die Regale nur sagen: Wohl versprochen, Gott, gut geht es uns und wir haben Getreide, Wein und Öl, und nicht nur das, in Fülle! Offensichtlich haben wir, auf Neudeutsch, einen Deal. Dann gibt es auch noch vieles, was nicht wir, sondern Menschen im globalen Süden für uns produziert haben. Geht es uns also gut? Ist also alles paletti? Paletti für alle im Ort?
Da gibt es Hinweise, dass dieser Wohlstand nicht allen zugutekommt, für viele bedroht ist. Solche Hinweise gab es auch bei Joel, wenn wir in seinem Text ein wenig zurückgehen. Da ist von Hunger und Not, Krieg, Plagen und Dürren die Rede. Da wendet sich das Volk an Gott, bittet um Verschonung. Und dann kommt in Gottes Reaktion dieser bemerkenswerte Satz: «Zerreisst nicht eure Kleider, sondern eure Herzen, dann will ich euch helfen.»
Auch wenn es hier gelegentlich zu Ernteausfällen, Wasserknappheit und Überschwemmungen kommt, der Mangel regiert nicht bei uns. Die Welternährungskrise mit ihren Notlagen findet mehrheitlich im globalen Süden statt.
Aber: Sind wir dennoch das angesprochene, bedrohte Volk? Sollen wir unser Herz zerreissen und nicht die Kleider? Geht es um veränderte Politik und nicht um Almosen? Um ein verändertes Miteinander in Gottes Schöpfung? Um Gerechtigkeit, also weniger Eigennutz?

Von: Gert Rüppell