Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder
einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheisst
der HERR Segen und Leben bis in Ewigkeit. Psalm 133,1.3
Der kurze Psalm 133 ist mit «Wallfahrtslied» überschrieben.
Ich stelle sie mir vor, die Brüder, wie sie fröhlich singend nach
Jerusalem zum Tempelberg hinaufpilgern. – Ob sie etwas
von der Hochstimmung vom Fest mit nach Hause genommen
haben? Und wieder zu Hause, haben sie da «einträchtig
beieinander gewohnt»?
In einer Agrargesellschaft, in der jede Arbeitskraft zählt,
ist einvernehmliches Miteinander überlebenswichtig. Aber
selbstverständlich ist es deswegen noch lange nicht. Es fallen
mir mehr problematische, gar desaströse biblische Beispiele
ein als geglückte: Kain und Abel, da nahm das Verhängnis
seinen Anfang. Esau und Jakob. Die zwölf Söhne Jakobs, die
ihrem Vater so viel Kummer bereiteten (an dem er aber auch
beteiligt war).
Psalm 133 enthält keine Ermahnung, keine Zurechtweisung,
kein Gebot. Er erinnert eher an eine Seligpreisung: Glücklich
die Geschwister, die einander Gutes gönnen, die Gemeinsinn
vor Eigensinn stellen.
Paulus sprach die Gläubigen als «Brüder» an, die Schwestern
hatte er noch nicht im Blick. Auch unter ihnen ging
und geht es nicht immer «fein und lieblich» zu, ist Eintracht
nicht selbstverständlich. Aber sie ist es wert, gesucht zu werden,
denn sie hat ein Ziel und eine Verheissung: «Segen und
Leben bis in Ewigkeit».
Von: Dorothee Degen-Zimmermann