Sei nur stille zu Gott, meine Seele;
denn er ist meine Hoffnung. Psalm 62,6
Im Grossmünster in Zürich hat ein Prediger kürzlich sein
Ohr an eine der 800-jährigen Säulen gedrückt und fast spielerisch
gefragt: «welche Wörter hast du denn seit deinen
Anfängen wohl am meisten gehört?» Als er sich aufrichtete,
nickte er lächelnd: «Hab ich’s mir gedacht – Hoffnung, hat
sie gesagt!» Hoffnung als Leitwort der Verkündigung in allen
Kirchen zu allen Zeiten und jetzt wieder ganz besonders, das
schwebt und webt durch jeden dieser besonderen Räume.
Und das soll sich dann auch in den Herzen der Menschen
festsetzen für alle Zeiten. Dieses Zutrauen zu einem Wort, in
dem die ganze Kraft von Gottes Botschaft konzentriert ist –
weil Gott, wie der heutige Vers sagt, diese Hoffnung selbst
ist! Indem ich Hoffnung mitnehme, indem mich Hoffnung
beseelt, beseelt mich Gott.
Was es dafür brauche, scheint sehr einfach zu sein: Sei nur
stille zu Gott … In hektischen, strengen, kräftebrauchenden
Lebensaufgaben ist das allerdings eine Herausforderung. Es
bedeutet, wenigstens für Augenblicke, bewusstes Loslassen,
gewissermassen Aussteigen aus dem stetigen Lebensfluss
und mich umstellen auf Ruhe. Eigentlich müsste das wirklich
möglich sein, weil es ja bloss punktuell geschehen müsste.
Dann wird durch die Stille eine kleine Lücke eröffnet, durch
die das «Geschenk der Hoffnung» Einlass findet und Kraft
bringt.
Von: Hans Strub