Gott offenbart, was tief und verborgen ist. Daniel 2,22

Wenn ich mit Menschen darüber rede, welche Rolle die
Religion in unserem Leben eigentlich noch spielt, kommt
das Gespräch über viele Umwege meist dahin, dass wir sie
am ehesten noch dort beanspruchen, wo wir mit unserem
Verstand, unserem Wissen, aber auch über alle Angebote,
die unsere Gesellschaft uns an Rat und Dienstleistung zur
Verfügung stellt, nicht hinkommen. Obwohl in unserer säkularen
Welt die Kirche aus dem Leben der meisten Menschen
verschwunden ist und wir ihre einstigen Kernkompetenzen
wie Seelsorge, Spiritualität und die Rituale zur persönlichen
Einkehr und Lebensabschnittsgestaltung individuell organisieren,
geht es eigentlich immer noch um das genau Gleiche:
Wir suchen nach einer Instanz, die uns das Nicht-Greifbare
und Nicht-Offensichtliche erklärt: Was kommt nach dem
Tod? Wie überstehe ich eine Lebenskrise? Wie gestalte ich
einen schicksalhaften Moment in meinem Leben? Aber
auch: Wie lerne ich, meinen Alltag mit allen Herausforderungen
zu bewältigen? «Gott offenbart, was tief und verborgen
ist.» Wie einfach und doch klar, dieser Vers, der
uns eine Inspiration sein kann zum Innehalten in unserem
tagtäglichen Leben. Statt uns nur an den äusseren Pflichten
und Leitplanken zu orientieren, können wir uns vornehmen,
immer mal wieder eine Pause einzulegen und nach innen zu
horchen und dort nach dem Verborgenen zu suchen.

Von: Esther Hürlimann