Der HERR dachte an uns, als wir unterdrückt waren,
denn seine Güte währet ewiglich.
Psalm 136,23

Psalm 136, aus dem dieser Vers stammt, spielt in der jüdischen
Tradition eine bedeutende Rolle. Er wird am Sederabend,
der den Auftakt zum Pessachfest bildet, gesungen.
Dabei geht es um die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten
und das damit verbundene Lob und die Dankbarkeit für
Gott. Wesentlich für mich ist daran das Wort «ewiglich»,
weil der Gott, der in diesem Psalm gelobt und gepriesen wird,
ein Gott ist, der nicht nur in der Befreiung an unserer Seite
ist, sondern auch in der Unterdrückung. Im selben Psalm
kommt mehrfach der uns vertraute Glaubenssatz «denn
seine Güte währet ewiglich» vor. In manchen Lebensphasen
mag uns das vielleicht zynisch erscheinen, doch ist dieses
Vertrauen auf etwas ewig Gütiges wie die Schöpfung nicht
eine Urkraft, auf die wir täglich bauen? Ich schreibe diesen
Text in einem Moment, da es draussen regnet und stürmt.
Und doch spriesst die Natur, die ein paar wenige Tage zuvor
Sonne getankt und sich bei strahlendem Licht Energie geholt
hat. «Nach em Räge schint d’Sunne» heisst ein berühmtes
Lied, das Marthely Mumenthaler und Vrenely Pfyl 1945 nach
den Worten des Komponisten Artur Beul sangen. Es wurde
zum Erfolgshit vielleicht gerade deshalb, weil es nach dem
Zweiten Weltkrieg jene Hoffnung besang, dass nach schwierigen
Zeiten bessere kommen. Diese Hoffnung, die auf eine
ewigliche Güte baut, möchte ich aufnehmen.

Von: Esther Hürlimann