Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
denn ich bin einsam und elend. Psalm 25,16
Knapp eine halbe Millionen Menschen in der Schweiz sind
einsam. Sie leiden darunter. Verlieren den Mut, haben irgendwann
Angst, die Wohnung zu verlassen. Da hilft es
nicht, ihnen viele Angebote aufzuzeigen, die sie besuchen
könnten. Sie schaffen es nicht. Die Schwelle ist zu hoch. Helfen
würde, sie einzuladen und zu sagen: «Komm, das ist eine
tolle Sache. Da gehen wir zusammen hin. Ich hole dich ab.»
Und dann auch tatsächlich da sein. Mitgehen. Sie vielleicht
vorher noch mal sicherheitshalber anrufen und sagen: «Ich
komme gleich. Und ich freue mich, dich zu sehen.»
Ein ehrenwerter Vorsatz, lieber Lars. Ja, wir müssen etwas
tun alle zusammen. Lass mich trotzdem nochmals zur Klage
zurückkehren. Was mich für sie einnimmt, ist, dass da ein
Mensch an Gott festhält. Auch im Dunkel und im Rätsel
der Verlassenheit schickt er Worte «aus der Tiefe» in den
Himmel. Neben den Mitmenschen, der Hundertschaft an
Therapeuten und Seelsorgerinnen wünsche ich mir diese
Tiefe, diese trotzige, widerständige Zuversicht biblischer
Klage zurück: «Hey, warum hast du mich verlassen? Wende
dich zu mir, sei mir gnädig. Das ist schliesslich dein Job.»
Von: Lars Syring und Chatrina Gaudenz