Philippus und der Eunuch stiegen ins Wasser,
und Philippus taufte ihn. Als sie aus dem Wasser
herausstiegen, wurde Philippus vom Geist des
Herrn fortgenommen. Der Eunuch sah ihn nicht
mehr. Aber er setzte seinen Weg voller Freude fort.

Apostelgeschichte 8,38–39

Es ist eine sehr schöne Taufgeschichte, die hier erzählt wird,
und natürlich hat sie einen Vorspann: Dieser Eunuch, ein
Hofbeamter aus Äthiopien, war aus Handelsgründen nach
Jerusalem gekommen und befand sich nun auf dem Heimweg.
In Jerusalem hatte ihn die jüdische Religion beeindruckt
und er las im Buch des Propheten Jesaja. Gleichzeitig befand
sich Philippus auf diesem Weg und näherte sich dem Wagen
des Reisenden. «Verstehst du denn, was du da liest?», fragte
er ihn, und auf die verneinende Antwort hin setzte er sich
zum Eunuchen und erklärte ihm, dass Jesaja Worte (siehe
Jesaja 53,4–8) auf das Leben und den Tod Jesu deuten, und
erzählte ihm dessen Geschichte. Das beeindruckte den Äthiopier
so sehr, dass er Philippus bat, ihn zu taufen. Das Leben
Jesu, sein Tod und seine Auferstehung erschienen ihm danach
wie eine Lebensquelle, die ihn aus seinen Grübeleien befreite.
Ich stelle mir vor, dass er in dieser glücklichen Stimmung
nach Hause kam und die politischen Aufgaben – er war ja
Hofbeamter – mit neuem Elan und Hoffnung auf eine gute
Entwicklung angehen konnte. Können wir uns von dieser
Geschichte in unseren politischen Turbulenzen anstecken
und befreien lassen?

Von: Elisabeth Raiser-von Weizsäcker