Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen. Wach auf, meine Seele! Psalm 108,2

Welch ein schöner Vers zum Tagesbeginn! Fast zu schön, um dem mit Worten noch etwas beizufügen, das nicht schon gesagt ist und in uns eine positive Wirkung entfaltet … Oder vielleicht fehlt doch was? Spüren wir in diesen ersten wachen Augenblicken des Tages nicht bereits all die Hindernisse, die uns das Singen und Spielen verwehren? Fehlt uns nicht ein letzter Ruck, der unsere Seele so richtig aufwachen lässt? Breiten sich nicht bereits Sorgenfalten über unser eigenes Leben und den Weltfrieden aus, bevor wir die Augen richtig geöffnet haben? Wir leben in schwierigen Zeiten. Und tatsächlich wurde dieser Psalm Davids in Kriegszeiten geschrieben. Wir spüren darin den hoffnungsvollen Impuls des Autors, dass das eigene Leben und das Zusammenleben aller Menschen selbst in Krisen einem göttlichen Plan gehorcht, der nur das Beste will und sich bestimmt erfüllen wird. Er suggeriert, dass wir bereit sind dazu. Und diesen Ansatz finde ich in diesem Psalmvers motivierend – in einer Zeit, da wir das Menschenmögliche eher in unseren eigenen Händen sehen denn in einer einzigen göttlichen. Lassen wir unser heutiges Aufwachen also als eine hoffnungsvolle Ermutigung annehmen, aus diesem Tag etwas Besonderes zu machen. Schöpfen wir aus uns selbst. Spielen und singen wir. Lassen wir die Sorgen in und um uns für einmal etwas hintanstehen und uns wirksam fühlen – für uns und andere.

Von: Esther Hürlimann