Gott erhöht die Niedrigen und hilft den Betrübten
empor.
Hiob 5,11

Gestern hatten wir es zu tun mit Hiobs Protest gegen den
naiven Zusammenhang von Handeln und Ergehen. Heute
ruft uns der fromme Dulder Grundmuster biblischer Erzählungen
in Erinnerung: Joseph, von seinen Brüdern gemobbt,
der in höchste Funktionen am Hof des Pharao aufsteigt; der
Hirtenbub und spätere König David; das Mädchen Maria,
das zur Mutter des Messias auserlesen wird. In Marias Lobgesang,
dem Magnificat, singen Christinnen und Christen
immer wieder – in den Klöstern gar täglich – das Bekenntnis
zu dem Gott, der die Gesellschaftsordnung auf den Kopf
oder vielleicht eben vom Kopf auf die Füsse stellt.
Betrübnis hat Gründe. Es können schwierige persönliche
Verhältnisse sein, es kann Armut, Verfolgung, Missachtung
sein. Dass Gott daraus emporhilft, mag als billiger Trost
erscheinen. Mit einem mirakulösen Eingreifen aus dem Himmel
rechnet in unserer säkularen Welt ja wohl kaum jemand.
So ist es sinnvoller, diese Losung auch als Aufruf zu lesen, als
Aufruf, die Gründe für die Betrübnis in Gottes Auftrag und
im Vertrauen auf seinen heilsamen Willen zu beseitigen oder
doch zu lindern, im seelsorglichen, im diakonischen und – ja,
gerade auch das – im politischen Handeln.

Von: Andreas Marti