Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir
einen neuen, beständigen Geist. Psalm 51,12
Auch wenn die Überschrift es suggeriert – der Psalm 51 kann nicht David nach seiner Affäre mit Bathseba zugeschrieben werden; sein Inhalt legt nahe, dass er erst Jahrhunderte später abgefasst wurde. So konfrontiert er auch mich mit der «Sünde», von der der Psalmsänger befreit werden möchte. Denn das, was hier gesagt wird, passt zu jedem Menschen: die Anerkennung, dass ein schuldloses Leben nicht möglich ist, und der innige Wunsch, von Schuld entlastet zu werden. «Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein, wasche mich, und ich werde weisser als Schnee» (Vers 9) ist ein heftiges Bittwort, genauso wie das heutige Wort. Ich erinnere mich gut, wie mich diese beiden Sätze schon als jungen Menschen sehr berührten. Sie eröffneten einen Weg, begangenes Unrecht im Gebet ohne Umschweife zuzugeben, weil ja die Aussicht bestand, dass dieses falsche Verhalten tatsächlich weggenommen werden kann. Der Psalmbeter erhofft sich das und baut darauf, ich tat und tue es ihm nach. Ich habe genügend Sensoren in mir, die mich wissen lassen, wann ich eine Sünde begangen habe (auch wenn mir der altschwere Begriff kaum über die Lippen kommt). Wann ich also ganz besonders auf Gottes Nähe und Befreiung angewiesen bin. Aber sie bewahren mich nicht vor neuer Schuld – da brauche ich dringend Gottes «neuen, beständigen Geist»!
Von: Hans Strub