Die Befehle des HERRN sind richtig und
erfreuen das Herz.
Psalm 19,9

Es ist eher unüblich, «Befehl» und «erfreuen» miteinander
zu verbinden und so direkt aufeinander zu beziehen, wie der
Psalmvers es tut. Die Zeiten, in denen man mit bolzengeradem
Rücken von den «Freuden der Pflicht» sprach, sind
glücklicherweise vorbei. Können und wollen wir dem Psalmisten
zustimmen und dankbar einstimmen in sein Loblied
der Weisungen des Ewigen?
Ich glaube, der entscheidende Punkt liegt darin: Die Freude
im Herzen entspringt eher nicht im Moment, in dem wir
Gottes Weisung hören, sondern sie stellt sich ein im Mass,
wie wir uns darin üben, die Weisung in unserem Leben zu
verfolgen. Sportlerinnen würden mir wohl zustimmen. Die
Anweisung zu dieser oder jener Trainingseinheit lässt noch
nicht die Freude aufkommen, die sich aber dann einstellt,
wenn der Lauf siegreich absolviert ist. Mir liegt der Vergleich
mit der Musik näher: Ich hätte Freude am Klavierspiel
und wäre nicht frustriert über mein Geklimper, wenn mein
Klavierlehrer damals strenger gewesen wäre und ich seine
freundlichen Anweisungen besser befolgt hätte.
Oder anders: Es ist eine Zumutung für unseren Anspruch
auf Autonomie, auf Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung,
uns sagen zu lassen, dass Gott besser weiss als wir,
wie Leben geht. Doch das zu glauben und sich darauf einzulassen,
macht Freude.

Von: Benedict Schubert