Der HERR, unser Gott, neige unser Herz zu ihm,
dass wir wandeln in allen seinen Wegen.
1. Könige 8,58

Salomo betet bei der Einweihung des Tempels. Wohl dem
Volk, dessen Staatschef nicht nur sich selbst als Referenzgrösse
kennt. Salomo weiss, dass nicht alles in seiner Hand
liegt. Er kennt die Verantwortung vor Gott. Und er weiss,
dass er diese nur wahrnehmen kann, wenn Gott irgendwie
mithilft. In einem langen Gebet folgt er der Spur, die ihm
die Tora legt. Und er vertraut darauf, dass Gott sein (Salomos)
Herz zu sich neigt. Das Herz ist das Organ, das für die
Menschen der Bibel die Verbindung zu Gott pflegt. Salomo
möchte Gott näherkommen. In eine engere Verbindung mit
ihm treten, damit sein Schritt sicherer wird.


Gebete sind immer ein Eingeständnis unserer Begrenztheit.
Wir spüren, dass wir nicht alles unter Kontrolle und im Griff
haben, und legen das, was nicht in unserer Macht ist, in Gottes
Hand. Wir greifen über den Horizont der eigenen Existenz
hinaus, richten uns aus auf ein Gegenüber, das grösser ist
als wir selbst. Ich vermisse diesen uralten Reflex in unserer
selbstverliebten Gegenwart. Sich einen Moment Zeit nehmen,
das Gespräch mit dem Innersten suchen, das, was da
inwendig auftaucht, hervorholen und es Gott anvertrauen:
Das tut gut, und mancher Schritt, der zunächst undenkbar
schien, wird möglich.

Von: Lars Syring und Chatrina Gaudenz