Er wird herrlich werden bis an die Enden der Erde. Micha 5,3
Der Prophet predigt den Untergang. Für eine Umkehr scheint
es zu spät und das angekündigte Unheil unausweichlich.
Besonders scharf kritisiert Micha die Habgier der Oberschicht,
die das Volk ins Verderben führt. Das Untergangsszenario
kontrastiert mit dem Versprechen des Neuanfangs. In der
apokalyptischen Vision liegt immer die Hoffnung, dass die
Katastrophe nur ein Übergang ist. Micha kündigt die Ankunft
eines starken Herrschers an, der den Feind in die Flucht schlagen
und die Rückkehr der Vertriebenen ermöglichen wird.
«Und mit ihm wird der Friede kommen.» (Micha 5,4)
Apokalyptische Bilder sind beängstigend aktuell: Sturzfluten,
brennende Wälder, ausgebombte Städte, ausgetrocknete
Flussbetten. Und auch die Habgier und die Sucht nach
immer mehr, die Micha schonungslos kritisiert, klingen nur
allzu vertraut. Die einzige Hoffnung ist, dass die beängstigenden
Nachrichten nicht das Ende bedeuten, sondern ein
Übergang sind. Was es dafür braucht, ist allerdings kaum
die eiserne Faust eines starken Herrschers. Nötig ist die Einsicht,
dass im Verzicht eine grosse Freiheit liegt. Und die
Zuversicht, dass in den kleinen Akten der Rücksichtname
und im Wunder des Teilens jene Kraft liegt, die eine andere
Welt möglich macht als jene, die der Prophet dem Untergang
weiht.
Von: Felix Reich