Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus noch alles, was sein ist. 5. Mose 5,21

Rabbiner haben das Begehren schon vor Jahrhunderten diskutiert
und märchenhafte Parabeln geschrieben, um die Befreiung
davon anschaulich zu machen: Ist die Prinzessin unerreichbar,
soll man sich nicht vor Verlangen verzehren, sondern
kann sie – von weitem – bewundern und es geniessen.
Im Midrasch heisst es: «Die Schlechten werden durch ihre
Herzen beherrscht … und die Rechtschaffenen beherrschen
ihre Herzen» (Bereschit Rabba 67,8). Die Psychologinnen
und Psychologen der Gegenwart sind nur unwesentlich
weiter und weiser. Aber das Gebot ist entweder schwer zu
halten oder gar nicht. Denn wer grundsätzlich verhindern
könnte, dass ab und zu abwegige Gedanken zu noch abwegigerem
Handeln führen, ist mindestens eine Heldin und
dem Glück sehr nahe.
Denn wir vergleichen uns doch ständig und lassen uns vom
schönen Schein täuschen. Wir merken erst hinterher, wie viel
Energie chronischer Neid frisst. Dazu kommt, dass man sich
schnell an das eben noch Begehrte gewöhnt und es sofort
für selbstverständlich hält, wenn man es einmal hat.
Wo jedoch Dankbarkeit in den Alltag einzieht, haben es
Gier und Habsucht schon schwerer. Der Schlaf wird tiefer,
die Zufriedenheit grösser und die Stimmung stabiler. Allerdings
bringt man damit sein Herz auf völlig neue Ideen. Es
könnte anfangen, andere ehrlich zu loben und empfundenen
Respekt auch auszudrücken.

Von: Dörte Gebhard