Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1,14

Über das «Fleisch» wurde von Theologen mehr gesagt, als
an einer Metzgete je aufgetischt wurde. Mich interessiert,
wo Gottes Wort «wohnt», wörtlich bei Johannes: «zeltet».
Gottes Wort «zeltet» im Johannesevangelium von Anfang
an und in vielen Geschichten im Alten und im Neuen Testament,
die von Mitcampern erzählt und aufgeschrieben
wurden. Auch die Armen und die Reichen, die zuerst im Stall
eintreffen, kommen direkt von ihren Zeltplätzen: vom Acker
bei Bethlehem und aus dem fernen Morgenland. «Zeltete»
Jesus Christus? Er lebte ohne feste Bleibe, zog von hier nach
da. Von einem Zelt aus Stoff und Stangen ist aber nie die
Rede. Nachts schlief er wohl oft unter dem Sternenzelt. Sie
waren dreizehn Männer und reisten minimalistisch, aber oft
fehlte ihnen sogar das Nötigste. Sie gingen barfuss, aber nicht
allein. Wenn der Hunger gross war, lud sich Jesus mit allen
bei fremden Leuten zum Essen ein (Lukas 19,5).
Voller Wahrheit ist, dass Gott keine feste Adresse hat. Viele
suchen nach ihm und gehen dafür weit. Zum Beispiel Friedrich
Nietzsche oder Evelyne Baumberger vom RefLab, dem
digitalen Lagerfeuer der Zürcher Landeskirche.
Verlässt man das Haus und lässt die Seele «zelten», kommt
die volle Gnade zum Vorschein: Wir alle leben noch auf
Erden, aber schon unter Gottes Himmelszelt.

Von: Dörte Gebhard