Durch seine Wunden sind wir geheilt. Jesaja 53,5
Der Vers, wie das ganze vierte sogenannte Gottesknechtslied, gehört in der christlichen Tradition zu Karfreitag. Dahinter steht die Vorstellung, Jesus, der Christus, ist stellvertretend für unsere Schuld und unser Versagen gefoltert und hingerichtet worden; damit wir davon befreit sind, «auf dass wir Frieden hätten» (Vers 5).
Ich gebe zu, ich habe Mühe mit dieser Vorstellung. Sollte nicht jede und jeder für das eigene Tun und auch das Lassen, nämlich das Nichttun, wo es nötig wäre, Verantwortung übernehmen und zur Rechenschaft gezogen werden? Aber wie oft bleibe ich selber schuldig, im persönlichen Umfeld, im Miteinander in unserer Gesellschaft, für die Bewahrung der Schöpfung und der Welt? Wer kann für all das Unrecht, die Gewalt und Menschenverachtung, die vor unseren Augen ausgeübt werden, geradestehen, sie überwinden? Wer den Kreislauf von Masslosigkeit, Schuldverstrickung und Ohnmacht durchbrechen? – Nur Gott selbst. Gott, die Ewige, allein, die alles geschaffen hat und erhält, die das Risiko auf sich nimmt, dass ihre Geschöpfe sich gegen sie wenden und aus der guten Schöpfung (Genesis 1) eine Wüste und ein Tohuwabohu machen. Sie entlässt mich nicht aus meiner Verantwortung für und in dieser Welt. (vgl. Micha 6,8: «Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott von dir erwartet.») Aber ich muss nicht alle Last tragen: Ich darf und kann leben unter ihrem Segen. Gott sei Dank!
Von: Annegret Brauch