Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR. Jeremia 31,20

Wer das Buch Jeremia von Anfang bis Ende liest, muss sich auf ein Wechselbad der Gefühle gefasst machen. Grund für das emotionale Auf und Ab ist der Treuebruch Israels. In den Worten des Propheten spiegelt sich eine Beziehung im Dauerstress. Gott spricht einmal streng als Richter und dann wieder enttäuscht wie ein betrogener Ehemann. Mit der Ehemetapher gesagt: Alles sieht nach Scheidung aus! Schaut man auf das ganze gott-menschliche Beziehungsdrama, sticht beim Vergleich der unterschiedlichen Beziehungstypen die elterliche Bindung heraus. So auch hier. Gott spricht voll Erbarmen wie ein Vater mit seinem geliebten Kind. Da ist zwar Schmerz, aber keine Eifersucht, und da ist Erziehung, aber auch ein starkes Engagement. Die elterliche Verbindung geht so tief. Sie hat etwas Unverbrüchliches. Weil sich Eltern nicht von ihren Kindern scheiden lassen können! Eltern können ihre Kinder verstossen oder enterben, aber sie bleiben mit ihnen verbunden. Und wenn sie kein Herz aus Stein haben, geben sie die Hoffnung nicht auf, dass auch ein Beziehungsbruch heilen kann. Der eifersüchtige Gott, der auf Treue pocht, ist einschüchternd, der Vater mit dem gebrochenen Herz, der seinen Schmerz offenbart, lässt auf Versöhnung hoffen.

Von: Ralph Kunz